
Redaktionsnotiz |
Bei unserem Ziel, dem Sozialismus, der ersten Phase der kommunistischen Gesellschaft, handelt es sich ja bekanntlich um einen gesellschaftlichen – und damit vor allem ökonomischen – Epochenwechsel, der nicht weniger tiefgreifend ist als beispielsweise jener, der das Römische Reich untergehen ließ oder derjenige, der die Herrschaft von Klerus und Adel beseitigte. Es geht um eine neue Produktionsweise.
Wir haben in „offen-siv“ schon seit längerem Beiträge zu ökonomischen Problemen veröffentlicht. Wir haben in unserem marxistisch-leninistischen Fernstudium der Ökonomie ein ganzes Jahr gewidmet. Inzwischen haben wir die Situation, dass nach einem mehr als zehnjährigen Schweigen doch der Beginn einer Diskussion über die ökonomischen Grundlagen sowohl des Kapitalismus/Imperialismus als auch des Sozialismus spürbar wird. Wir begrüßen das sehr, denn ohne ein klares sozialistisches und damit auch gesellschaftlich-ökonomisches Ziel wird die Bestimmung des Weges dorthin nicht entschieden werden können.
Die ökonomische Debatte bezieht sich vor allem auf ein grundlegendes Problem: das Wertgesetz. Hier scheiden sich aktuell heute und auch schon so lange, wie es eine sozialistische Bewegung gibt, die Geister. Die Frage ist: Ist das Wertgesetz der konzentrierte Ausdruck der kapitalistischen Ökonomie und muss es deshalb im Sozialismus überwunden werden – oder ist das Wertgesetz von grundsätzlicher, überhistorischer Bedeutung, also eine Grundlage allen menschlichen Wirtschaftens und muss es deshalb im Sozialismus respektiert werden? Man tue diese Frage nicht als spitzfindig oder scholastisch ab! Die Antwort auf diese Frage entscheidet das Schicksal der angestrebten neuen Epoche der Menschheit, des Sozialismus. Deshalb muss sie beantwortet werden.
Zurück zur aktuellen Debatte: Ergänzend und zum Teil komplementär zu den Diskussionen, die bei uns stattfanden, hat sich in der jüngeren Vergangenheit auch die Zeitschrift „RotFuchs“ mit dem Thema der politische Ökonomie des Sozialismus befasst. Das bereichert die Diskussion. Zwar findet noch kein direkter Austausch der Argumente statt, immerhin aber werden die unterschiedlichen Auffassungen und Sichtweisen deutlich. So behaupten die in der Zeitschrift „RotFuchs“ veröffentlichten Arbeiten zum Thema “sozialistische Ökonomie“ die überhistorische Geltung des Wertgesetzes und kritisieren dementsprechend „voluntaristische“ Versuche, dies auszuhebeln oder zu wenig zu beachten. Die bei uns veröffentlichten Arbeiten hingegen gehen eher in die Richtung, Ware, Wertgesetz und Geld als historisch zu betrachten. Nun gab es Ware und Geld schon vor der bürgerlichen Gesellschaft – und beides wird es auch noch nach der bürgerlichen Gesellschaft geben, denn eine Übergangsperiode, darin sind sich alle Kontrahenten einig, wird es nach dem Sieg einer sozialistischen Revolution mit Sicherheit geben müssen. Aber die Frage steht: was dann? Wie ist die Zielbestimmung? Nach welchen ökonomischen Prinzipien funktioniert der Kommunismus in seiner ersten Phase, dem Sozialismus, und wie entwickelt er sich weiter?
Wir sind der Auffassung, dass die Geltung des Wertgesetzes einer sozialistischen Gesellschaft widerspricht und die Behauptung, das Wertgesetz gehöre wesentlich in die Ökonomie des Sozialismus, einen der wesentlichen Bausteine der revisionistischen Entartung in der ökonomischen Theorie und Praxis darstellt. Uns ist durchaus bewusst, dass wir wegen dieser Stellungnahme wieder einmal Gefahr laufen, als „ultralinks“, „voluntaristisch“, „sektiererisch“ und gleichzeitig auch noch als Anhänger des „administrativ-zentralistischen“ und damit „stalinistischen“ Sozialismusmodells bezeichnet bzw. beschimpft zu werden. Nun gut, das ist dann so. Wir sehen trotzdem nur in einer sozialistischen Planwirtschaft (und nicht in einer sozialistischen Marktwirtschaft) eine Zukunft für die Menschheit.
Aber das Ganze ist nicht zu entscheiden ohne ausreichende wissenschaftliche Überlegungen. Zur Verdeutlichung der Problematik präsentieren wir Euch hier kurz unterschiedliche Auffassungen in Originalzitaten.
Wolfgang Hoss schreibt in einem Beitrag für „offen-siv“[1]: Wenn Hermann Jacobs sagt "In der Tat sind wir, ist der Marxismus außerstande, die Frage des Revisionismus … aufzuwerfen, würde es nicht dieses Schwanken im Verhältnis zu den ökonomischen Mechanismen der Warenproduktion gegeben haben, würde es nicht die Reform gegeben haben, den ersten, den neuen Mechanismus wieder gegen den zweiten, alten auszutauschen" ("offensiv", Heft 15/03, S. 48), und wenn man die Aussage so formuliert, daß das Schwanken zwischen der Warenproduktion als Grundlage der sozialistischen Wirtschaft und einer neuen nicht auf Warenproduktion gegründeten Ökonomie und schließlich die Entscheidung für die "sozialistische Warenproduktion" eine der wichtigsten Ursachen für die Revision des Marxismus und das Scheitern des Sozialismusversuchs in den Ostblockländern waren, dann vertritt man nur die Position des unverfälschten Marxismus. Die Aussagen von Marx und Engels in dieser Hinsicht sind eindeutig:
"Mit der Besitzergreifung der Produktionsmittel durch die Gesellschaft ist die Warenproduktion beseitigt … " (Friedrich Engels, MEW, Bd.19, S.226)
"Innerhalb der genossenschaftlichen, auf Gemeingut an den Produktionsmitteln gegründeten Gesellschaft tauschen die Produzenten ihre Produkte nicht aus, …" (Karl Marx, MEW, Bd.19, S.19).
"Gebrauchsgegenstände werden überhaupt nur Waren, weil sie Produkte voneinander unabhängig betriebener Privatarbeiten sind." (Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, S. 87).
Es besteht kein Zweifel, daß es sich hier nicht um Mißverständnisse oder um Widersprüchlichkeiten in Marxens Werk handelt. Hören wir weiter:
"In der Gesamtheit der verschiedenartigen Gebrauchswerte oder Warenkörper erscheint eine Gesamtheit ebenso mannigfaltiger, nach Gattung, Art, Familie, Unterart, Varietät verschiedner nützlicher Arbeiten - eine gesellschaftliche Teilung der Arbeit. Sie ist Existenzbedingung der Warenproduktion, obgleich Warenproduktion nicht umgekehrt die Existenzbedingung gesellschaftlicher Arbeitsteilung. In der altindischen Gemeinde ist die Arbeit gesellschaftlich geteilt, ohne daß die Produkte zu Waren werden. Oder, ein näher liegendes Beispiel, in jeder Fabrik ist die Arbeit systematisch geteilt, aber diese Teilung nicht dadurch vermittelt, daß die Arbeiter ihre individuellen Produkte austauschen. Nur Produkte selbständiger und voneinander unabhängiger Privatarbeiten treten einander als Waren gegenüber." (Karl Marx, das Kapital, Erster Band, S. 56/57).
Andrea Schön und Gerald Hoffmann zitieren in Ihrem Beitrag "Die Crux mit dem Wertgesetz - zum Revisionismus in der politischen Ökonomie des Sozialismus" Marx zum Teil an gleicher Stelle und in gleichem Sinne und stellen fest: "Nicht die Arbeitsteilung ist das wesentliche oder gar einzig konstituierende Element der Warenproduktion, sondern das Privateigentum an Produktionsmitteln. Die Warenproduktion verleiht der gesellschaftlichen Arbeitsteilung lediglich ihren spezifischen, auf Tausch von Produkten privater Produzenten basierenden, Charakter." (A. Schön, G. Hoffman, "offensiv", Heft 13/03)
Tony Cliff hat die faktische Aufhebung der Warenproduktion in Bezug auf die russische Wirtschaft der Stalin-Ära bereits in den siebziger Jahren klar ausgesprochen: "Formal erfolgt die Verteilung der Produkte zwischen den verschiedenen Wirtschaftszweigen über den Austausch; aber da eine Institution, der Staat, Eigentümer aller Unternehmen ist, gibt es keinen realen Warenaustausch."[2]
Also nach der Theorie von Marx und Engels wird die Warenproduktion aufgehoben, wenn das Privateigentum an den Produktionsmitteln aufgehoben wird. Da die VEB-Betriebe in der DDR keine Privatunternehmen waren, und da man in der DDR die Warenproduktion als Grundlage der sozialistischen Produktion deklariert hatte – die Kennziffer Steigerung der Warenproduktion war eine der wichtigsten Kennziffern für die Jahresendprämie der VEB-Betriebe – ergibt sich bereits in diesem fundamentalen Grundsatz eine Diskrepanz zur Theorie von Marx und Engels. Wer aber hat sich in diesem Punkt geirrt, Marx und Engels oder die Theoretiker des letzten Sozialismusversuchs? Jedenfalls stellt die Entscheidung für die Warenproduktion als Grundlage der sozialistischen Wirtschaft eine radikale Revision des Marxismus bzw. eine grundlegende Verfälschung der marxistischen Sozialismustheorie dar.
Das hat ganz entscheidende Konsequenzen. Engels formuliert die Konsequenz der Nichtaufhebung der kapitalistischen Warenproduktion wie folgt: "Mit dieser Behandlung der heutigen Produktivkräfte nach ihrer endlich erkannten Natur tritt an die Stelle der gesellschaftlichen Produktionsanarchie eine gesellschaftlich-planmäßige Regelung der Produktion nach den Bedürfnissen der Gesamtheit wie jedes einzelnen; damit wird die kapitalistische Aneignungsweise … ersetzt durch die in der Natur der modernen Produktionsmittel selbst begründete Aneignungsweise der Produkte: einerseits direkt gesellschaftliche Aneignung als Mittel zur Erhaltung und Erweiterung der Produktion, andrerseits direkt individuelle Aneignung als Lebens- und Genußmittel. Indem die kapitalistische Produktionsweise mehr und mehr die große Mehrzahl der Bevölkerung in Proletarier verwandelt, schafft sie die Macht, die diese Umwälzung, bei Strafe des Untergangs, zu vollziehn genötigt ist." (Friedrich Engels, MEW Bd. 20, S. 261)
Hier wird von Marx, Engels und einigen anderen sehr klar dargelegt, dass das Privateigentum an den Produktionsmitteln und nicht die Arbeitsteilung die Grundlage für die Warenwirtschaft bildet und dass Warenwirtschaft und Wertgesetz im Sozialismus ihre Geltung verlieren müssen – „bei Strafe des Untergangs“, wie Engels formuliert. Ganz im Gegensatz dazu schreibt Prof. Dr. Matho in der Zeitschrift „RotFuchs“:
„Unter den Bedingungen gesellschaftlicher Arbeitsteilung und selbständiger Wirtschaftseinheiten werden die arbeitsteilig erzeugten Produkte und Leistungen zu Waren, die auf einem Markt ausgetauscht werden müssen. Die Waren haben einerseits einen Gebrauchswert, nämlich die Nützlichkeit, ein gesellschaftlich relevantes Bedürfnis zu befriedigen, und andererseits einen Wert, der den Arbeitsaufwand für die Ware verkörpert. (…) Die Notwendigkeit, daß sich beim Austausch die Wertgrößen der Waren entsprechend der gesellschaftlich notwendigen Arbeit – nicht der individuell aufgewandten – verhalten müssen, damit die Reproduktion gewährleistet ist, bezeichnen wir als Wertgesetz. Sein Wirken über den Marktpreismechanismus übt vor allem zwei wichtige Funktionen aus: erstens als Regulator der Produktion – also was und wie viel zu produzieren ist – und zweitens als Motor der Produktivkraftentwicklung – also wie groß der Arbeitsaufwand für die einzelne Ware sein darf, was von der gesellschaftlichen Arbeitsproduktivität abhängt. Dieses Wertgesetz kann man nicht „wegplanen“ oder überlisten, wie in der Planwirtschaft des realen Sozialismus z. T. geglaubt wurde. Man kann es aber im Verein mit einer volkswirtschaftlichen Rahmen- und Strukturplanung bewusst ausnutzen. (…)
Ware-Geld-Beziehungen und Wertgesetz sind also keine Ärgernisse, vielmehr wichtige Errungenschaften hochspezialisierter gesellschaftlicher Produktion, die den Menschen großen Nutzen bringen. Das ins Stammbuch einiger Überschlauer, die das „ultralinks“ negieren, es ideologisch gar verteufeln wollen und meinen, sich sogar auf Karl Marx stützen zu können. (…) Vielmehr muß das große schöpferische Potential der Marxschen Werttheorie voll ausgenutzt werden, was z. B. einschließt, relativ verselbständigte Produzenten unter gesellschaftlichem Eigentum im Sozialismus als echte Warenproduzenten anzusehen. Dazu tragen auch weiter existierende private Betriebe bei, was zugleich eine gesunde Konkurrenz belebt.
In der DDR waren hinsichtlich Warenproduktion und Wertgesetz Licht und Schatten zu verzeichnen. Es gab durchaus Ansätze einer wirtschaftlichen Rechnungsführung als grundlegendes Prinzip, nach dem die Betriebe mit hohen Umsätzen und niedrigsten Kosten Gewinne und damit Mittel für die erweiterte Reproduktion eigenerwirtschaften sollten. (…) Und dabei erwies sich das gutgemeinte System der sogenannten zweiten Lohntüte (unentgeltliche staatliche Leistungen und Preissubventionen) als wenig leistungsfördernd, weil es als selbstverständlich angesehen wurde. Was man nicht zu bezahlen braucht, wirkt eben viel weniger leistungsanregend als das Mehr im Portemonnaie. (…)
Ob und wie künftig eine voll ausgebildete sozialistische Marktwirtschaft auf der Basis einer gesellschaftlichen Rahmen- und Strukturplanung möglich sein wird, muß in der Praxis noch bewiesen werden. (…) Fehler der Unterschätzung oder gar Verletzung dieser wichtigen ökonomischen Beziehungen und Gesetze dürfen sich nicht wiederholen. Besondere Lehren und Hinweise werden in wachsendem Maße vom chinesischen Marktsozialismus zu erwarten sein.“ (Prof. Dr. Fred Matho, „Gilt das Wertgesetz auch im Sozialismus?“ in: RotFuchs Nr 3-2006, S. 10)
Knapp ein Jahr später bringt der RotFuchs inhaltlich Ähnliches im Zusammenhang mit seiner Sicht auf die Gründe der Niederlage des Sozialismus in Europa, formuliert von Dr. Dr. Ernst Albrecht: „Eine erhebliche Vernachlässigung in der Erschließung materieller Triebkräfte trat mit dem vom VIII. Parteitag eingeleiteten „Kurs der Hauptaufgabe“ ein. Nun wurde eine Sozialpolitik forciert, die jedem Bürger der DDR – unabhängig von seinen Leistungen für die Gesellschaft – Vorteile brachte. … Damit wurde ihre Triebkraftfunktion stark beeinträchtigt. Das Wertgesetz unterlag erheblichen Manipulationen. Die Masse der Konsumgüter wurde für einen staatlich festgelegten Preis zur Verfügung gestellt, der oft die Produktionskosten erheblich unterschritt. Diese Preissubventionen deformierten geradezu das Wertgesetz. … Materielle und ideele Triebkräfte müssen in einer künftigen sozialistischen Gesellschaft viel stärker miteinander verknüpft werden. Es geht vor allem darum, voluntaristische Verletzungen des Wertgesetzes und die Untergrabung des Prinzips der materiellen Interessiertheit unbedingt zu vermeiden.“ (Dr. Dr. Ernst Albrecht, RotFuchs, März 07, Innenblatt, RF-Extra. S. II)
Und im gleichen Heft wird auf einer eher Stimmung machenden denn inhaltlich argumentierenden Basis nachgeschoben: „Prof. Dr. Matho hat sich sehr intensiv mit dem Wertgesetz beschäftigt. Von uns wurde sein objektives Wirken gröblichst negiert.“ (Horst Franzkowiak, RotFuchs März 07, S. 7)
Hier finden wir also die Position, das Wertgesetz sei ein Resultat der Arbeitsteilung (und nicht des Privateigentums an den Produktionsmitteln), das Wertgesetz sei nicht das Gesetz der kapitalistischen Ökonomie, sondern habe überhistorische Bedeutung, wirke auch im Sozialismus und das nicht anzuerkennen sei ein schwerer Fehler. Und Dr. Dr. Ernst Albrecht scheint der Auffassung zu sein, dass sozialpolitische Maßnahmen (und Sozialpolitik heißt nach meiner Auffassung unter anderem: Bildung, Erziehung, Kultur, Gesundheitssystem, Sozialfürsorge) im Sozialismus als „Triebkraft“ eingesetzt werden müssten. Was kann das anderes heißen, als daraus eine Art Belohnungs- bzw. Strafsystem zu machen? Ich weiß, dass man als Kommunist nicht die Moral zur Richtschnur eines Urteils machen soll, aber eine gewisse Empörung über einen solchen menschenverachtenden Vorschlag kann ich nicht verhehlen.
Nach diesen kurzen Einblicken in die Theorie sollten wir noch einen Blick in die Praxis werfen. Wir schauen am besten in eine Epoche des Sozialismus, die eher von Erfolg als von Niedergang gekennzeichnet war. Bei Stalin findet man mit dem Datum des 28. September 1952 in der Schrift „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR“ u.a. folgendes: „In der Tat ist der Wirkungsbereich des Wertgesetzes in unserer ökonomischen Ordnung streng begrenzt, sind diesem Wirkungsbereich Grenzen gesetzt. Es wurde bereits gesagt, dass der Wirkungsbereich der Warenproduktion in unserer Ordnung begrenzt ist und ihm Schranken gesetzt sind. Das gleiche muss über den Wirkungsbereich des Wertgesetzes gesagt werden. Ohne Zweifel muss das Fehlen des Privateigentums an Produktionsmitteln und die Vergesellschaftung der Produktionsmittel sowohl in der Stadt als auch auf dem Lande den Wirkungsbereich des Wertgesetzes und seine Einwirkung auf die Produktion einschränken.
In der gleichen Richtung wirkt das Gesetz der planmäßigen Entwicklung der Volkswirtschaft, das an die Stelle des Gesetzes der Konkurrenz und der Anarchie der Produktion getreten ist.
In der gleichen Richtung wirken unsere Jahres- und Fünfjahrespläne und überhaupt unsere ganze Wirtschaftspolitik, die sich auf die Erfordernisse des Gesetzes der planmäßigen Entwicklung der Volkswirtschaft stützen.
Das alles zusammengenommen führt dazu, dass der Wirkungsbereich des Wertgesetzes bei uns streng begrenzt ist und das Wertgesetz in unserer Ordnung nicht die Rolle des Regulators der Produktion spielen kann. (…)
Man sagt, das Wertgesetz sei ein ständiges Gesetz, das für alle Perioden der historischen Entwicklung unbedingt gültig sei, das Wertgesetz bleibe, auch wenn es in der Periode der zweiten Phase der kommunistischen Gesellschaft seine Kraft als Regulator der Tauschbeziehungen verliert, in dieser Entwicklungsphase doch in Kraft als Regulator der Verhältnisse zwischen den verschiedenen Produktionszweigen, als Regulator der Verteilung der Arbeit zwischen den Produktionszweigen.
Das ist völlig falsch. Der Wert ist, wie auch das Wertgesetz, eine historische Kategorie, die mit der Existenz der Warenproduktion verbunden ist. Mit dem Verschwinden der Warenproduktion verschwindet auch der Wert mit seinen Formen und das Wertgesetz.
In der zweiten Phase der kommunistischen Gesellschaft wird die Menge der für die Herstellung der Produktion aufgewandten Arbeit nicht auf einem Umweg bemessen werden, nicht vermittels des Wertes und seiner Formen, wie es in der Warenproduktion der Fall ist, sondern direkt und unmittelbar – durch die zur Herstellung der Produkte verausgabte Menge der Zeit, Menge der Stunden. Was die Verteilung der Arbeit anbelangt, so wird die Verteilung der Arbeit zwischen den Produktionszweigen nicht durch das Wertgesetz reguliert werden, das zu dieser Zeit seine Kraft verlieren wird, sondern durch das Wachstum des Bedarfs der Gesellschaft an Produkten. Das wird eine Gesellschaft sein, in der die Produktion durch die Bedürfnisse der Gesellschaft reguliert werden und die Erfassung der Bedürfnisse der Gesellschaft für die Planungsorgane erstrangige Bedeutung erlangen wird.
Völlig falsch ist auch die Behauptung, dass in unserer gegenwärtigen ökonomischen Ordnung, in der ersten Phase der Entwicklung der kommunistischen Gesellschaft, das Wertgesetz angeblich die „Proportionen“ der Verteilung der Arbeit zwischen den verschiedenen Produktionszweigen reguliere.
Wenn das stimmt, dann ist es unverständlich, warum bei uns nicht die Leichtindustrie als die rentabelste mit aller Macht entwickelt wird, warum ihr nicht der Vorrang gegeben wird vor der Schwerindustrie, die oftmals weniger rentabel, und bisweilen überhaupt nicht rentabel ist.
Wenn das stimmt, dann ist es unverständlich, warum bei uns eine Reihe vorläufig noch unrentabler Betriebe der Schwerindustrie, in denen die Arbeit der Arbeiter nicht den „nötigen Effekt“ zeigt, nicht geschlossen wird und nicht neue Betriebe der zweifellos rentablen Leichtindustrie eröffnet werden, in denen die Arbeit der Arbeiter einen „größeren Effekt“ zeitigen könnte.
Wenn das stimmt, dann ist es unverständlich, warum bei uns die Arbeiter aus den wenig rentablen, aber für die Volkswirtschaft sehr notwendigen Betrieben, nicht in rentablere Bereiche überführt werden im Einklang mit dem Wertgesetz, das angeblich die „Proportion“ der Verteilung der Arbeit zwischen den Produktionszweigen reguliert.“ (J.W. Stalin, Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR, Kleine Bücherei des Marxismus-Leninismus, Berlin 1952, Dietz Berlin, S. 22-24)
Da kommt uns Dr. Dr. Ernst Albrecht doch recht mutig vor, wenn er der Führung derjenigen Epoche des sozialistischen Aufbaus, die Russland im Zeitalter des Hakenpfluges übernahm und im Besitz der Atombombe hinterließ (wie Churchill es formulierte) und zwischendurch die Welt vom Hitlerfaschismus befreite und den Zweiten Weltkrieg gewann, „voluntaristische Verletzun-gen des Wertgesetzes“ ankreidet. Was, wenn es nur deshalb ging? Was, wenn der Niedergang des Sozialismus in Europa etwas mit dem immer größer werdenden Gewicht der Warenproduktion und Warenzirkulation innerhalb seiner Ökonomie zu tun hat?
Wir müssen an die ökonomischen Grundlagen.
Das Marxsche „Kapital“ stellt im ersten Abschnitt des Bandes I die logische Entwicklung dar und zeigt, wie die Ware aus sich selbst heraus das Geld gebiert und wie aus den Bedingungen der Warenzirkulation die Verwandlung von Geld in Kapital resultiert; oder kurz gesagt: dass aus der Ware das Kapital folgt. Wenn das stimmt, dann kann und darf die Warenproduktion und die Warenzirkulation kein bestimmendes Element des Sozialismus sein, denn dann legte der Sozialismus, indem er diese kapitalistischen Wesenszüge zu seiner eigenen Grundlage machte, sich selbst in sein Zentrum den Keim der Verwesung, der Konterrevolution, der Niederlage.
Wir freuen uns, als einen Beitrag zu dieser nicht ganz einfachen Problematik dies Heft von Hermann Jacobs vorlegen zu können und bitten Euch um Aufmerksamkeit. Erkenntnis ist nicht immer einfach, aber die Anstrengung lohnt. Brecht sagt so treffend: „Lerne, Du musst die Führung übernehmen!“
Für die Redaktion: Frank Flegel, Hannover
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Redaktion Offensiv, Hannover
Edition |
Die Wertform ist das kennzeichnende Element jener Produktionsweise, die wir die Warenproduktion nennen.
Sie existiert seit etwa 8.000 bis 10.000 Jahren.
Zunächst als ein die menschlichen Urgemeinschaften begleitendes System des Austausches von Überschüssen, nimmt sie immer größeren, die ganze Gesellschaft erfassenden Umfang an; endlich mit dem Kapitalismus bildet sie eine komplette gesellschaftliche Ordnung aus. Parallel zu ihrer Dimension macht die Warenproduktion aber auch eine innere Entwicklung durch. Sie geht von privater, einzelner Arbeit aus und gerät, insbesondere in unserer Zeit, an eine höhere Ordnung der Arbeit selbst. Völker verschiedenen Umfangs, Staaten unterschiedlicher Größe, vereinen als Arbeit. Vom Austausch nur der Überschüsse kann nicht mehr die Rede sein.
Kann die Warenproduktion auch weiterhin die Produktionsweise der Zukunft der Menschheit sein?
Oder gerät sie an ihren Widerspruch und damit an die Forderung nach einer Gesellschaft unmittelbaren, nicht länger über Ware und die Wertform vermittelten Charakters?
Fragen, die Antworten erheischen.
Wir analysieren (theoretisch) die Wertform als die elementare Form der Warenproduktion und in ihrem geschichtlichen Ablauf: In der Antike ein kurzes Aufblitzen eines genialen Gedankens, im Auslaufen des englischen Mittelalters ein endlich nachgefragtes ökonomisches Prinzip – aber noch keine Klarheit.
Dann endlich Klarheit: Marx erst schrieb: „Die Wertform“.
Aber die reale Geschichte ist inzwischen 150 Jahre weiter. Nichts Neues, nichts Weitergehendes dazugekommen? Oh, doch. In der Tat sind einige Dinge durch den entwickelten Kapitalismus auf den Kopf – oder auf die Füße? – gestellt.
Und den Eingriff des Kommunismus in die Warenökonomie hat es auch schon gegeben. Der sollte ja, laut Marx, die Warenproduktion aufheben.
Wir fragen nach der Evolution der Wertform – einer vom Prinzip her, und jenen, über die sie der Form nach durchgesetzt wird.
Berlin, Februar 2007
Einführung in das Thema |
Wert als in der Ökonomie verwandter Begriff ist ein Synonym für Arbeit, allerdings Arbeit in einer bestimmten Beziehung/Bedeutung. Und als Wertgröße ist Wert ein Synonym für die Dauer von Arbeit (in dieser bestimmten Bedeutung). Ohne daher erklärt zu haben, was Arbeit in bestimmter Bedeutung ist, ist der Wert nicht eindeutig erklärt. Beide Begriffe, Wert und Wertgröße, bilden einen qualitativen und quantitativen Arbeitsbegriff. In einer bestimmten gesellschaftlichen Form von Ökonomie, der Warenökonomie, sind beide Begriffe die zentralen Begriffe, um die sich alles dreht.[3] Im Wertbegriff ist somit auch ein besonderes gesellschaftliches Verhältnis zur Arbeit erschienen. Unser Satz, Wert wäre ein Synonym für Arbeit/Arbeitsaufwand, muß daher ergänzt werden in dem Sinne, dass Wert eine gesellschaftliche Bestimmung der Arbeit ist, wie sie nur einem solchen Verhältnis zur Arbeit eigen ist, das Arbeitsprodukte als Waren produziert. Waren sind demnach Produkte mit einem Verhältnis zum Wert; und das heißt Verhältnis zur Arbeit von bestimmter Bedeutung - die es nun zu entschlüsseln gilt.
Nach dem Wert wird Arbeit angeeignet, erst die eigene, dann jede andere, die sich auch in diesem Verhältnis, von Wert zu sein, darstellt. Der Wert ist demnach eine Eigentumskategorie, er ist die Eigentumskategorie der bürgerlichen Gesellschaft, in der wir - mehrheitlich - leben. Wert ist, was man selber an Arbeit geleistet hat, und die eigene Arbeit ist ein Maß für die Aneignung anderer Arbeit - und das geschieht, so muß man hier hinzu setzen, indem man eine Form entwickelt hat, von der man sagen kann, dass sie die Aneignung der eigenen Arbeit bedeutet - die Wertform.
Normalerweise könnte man denken, dass man "die eigene Arbeit" aneignet wenn das erarbeitete Produkt; das Produkt, so wie es geht und steht, ist aber gerade nicht gemeint, wie wir sehen werden.
Die Menschen mussten sich allerdings des Wertes und seiner Bedeutung, vor allen Dingen aber der Form, in der der Wert in der Warenökonomie seine Erscheinung erlangt, erst bewusst werden. Nämlich in der gegenständlichen Form. Warenproduzenten tauschen ihre Produkte aus, was sie arbeitsseitig sind, sagen sie sich über die Form ihrer Arbeitsgegenstände - das ist die Schwierigkeit bei der Erkennung dessen, "was der Wert ist", weil man aus einer Beziehung von Sachen eine höchst lebendige Beziehung herauslesen muss: in der Ware etwas über die Arbeit. Man muß beim Wert die Dinge zurückverfolgend recherchieren – von der Sache ausgehend zurück zum Leben, von der Ware zurück zur Arbeit.
Dass es in diesem Austausch gerade um den Wert, um seine Fixierung geht, ist eine ziemlich junge Erkenntnis in der Geschichte der Ökonomie. Austausch der Arbeitsprodukte als Waren haben wir als beständige Begleiterscheinung menschlicher Kommunikation mindestens seit 5.000 Jahren, maximal vielleicht seit 10.000 Jahren. Sie tangiert die verschiedenen Gesellschaftsformen; während diese vergehen, bleibt sie im Alltagsgebrauch, sie scheint eine Allerweltsökonomie, passend für jede Zeit, zu sein – bisherige, muss hinzusetzen. Es bedurfte aber erst einer massenhaften Entwicklung der Warenproduktion, um auf diese Frage, was der Wert ist und wie man ihn zu erklären hat, zu stoßen, welche Bedeutung ihm bei der Erklärung der menschlichen gesellschaftlichen Geschichte zukommt.
Die Antike bietet hier den ersten Anlass dazu, denn sie war der erste massenhaft Waren produzierende Geschichtsabschnitt der Menschheit; die antike Gesellschaft war eine Handelsgesellschaft und das antike Mittelmeer letztlich ein Handelsmeer.
Zwar hat der griechische Philosoph Aristoteles (wie Marx aus dem Fundus der Antike ausgegraben hat) bereits eine erste Überlegung darüber angestellt, dass dem Warenaustausch eine Gleichheitsform zu Grunde liegt ("5 Polster = 1 Haus", die sich nicht von "5 Polster = so und so viel Geld" unterscheiden würde – und natürlich auch nicht von der Form, die Marx dann später wählte: „20 Ellen Leinewand = ein Rock“[4]), aber er verwarf diese Idee wieder. Aristoteles meinte, etwas so Verschiedenes "kann nicht kommensurabel (gleich) sein". "Warum (nicht)?", fragt Marx nach; sofern es das wirklich Gleiche in Beidem darstellt - Arbeit, ist es auch gleich oder auf Gleichheit reduzierbar.
Arbeit aber leisteten in der Antike (wesentlich) Sklaven. Und wenn ein Gleichheitsbegriff auf die Arbeit bezogen, so auf diejenigen, die sie leisten. Das aber rührte an den Grundlagen der antiken Gesellschaft. Dass gerade die Sklaven (die Nichtgleichen und Nichtgesellschaftlichen der Antike) der Ökonomie der Antike den zentralen Begriff der Gleichheit von Menschen, die auf Arbeit beruht, geben sollten, schien Aristoteles unmöglich.[5]
(Der Grund ist einleuchtend: Die Antike brauchte eine neue Grundlage der Arbeit. Mit lokaler Einzelarbeit auf der Basis kleinen bäuerlichen Eigentums war die städtische und überseeische Expansion - erst Athens, dann Roms (Rom zählte an seinem Höhepunkt eine Million Einwohner, die Hälfte davon Sklaven) -, nicht zu bewältigen. Nur Konzentration, zusammen mit der im Eigentum die im Einsatz der Arbeitskräfte, bot die hinreichende Garantie für eine Gesellschaft neuen Stils, wie die Antike eine war/wurde. Mit Freiwilligkeit war da nicht viel zu holen, und so mußte die freie Arbeit der Kleinbauern, wollte die antike Gründungseuphorie von Erfolg gekrönt sein, der Sklavenarbeit weichen, oder die freie Arbeit primär der erzwungenen. Nur das absolute Diktat über die Arbeit sicherte den Einsatz der Arbeit an den Orten und in den Formen, die die Antike brauchte. Gewalt in der Arbeit ist ein Gründungselement von Gesellschaftlichkeit, die quasi keine Voraussetzung im ökonomischen Willen besitzt, ist dieser noch rein lokal, rein natural orientiert.[6] Ohne den Übergang zur Versklavung der Arbeitskräfte wäre die Antike undenkbar gewesen. Als die Antike dann endete, fiel die Gesellschaft nur wieder (mehrheitlich) in ihre alte Voraussetzung zurück: individuelle Arbeit aller Coleur oder eben orientalische (quasi feudalistische) "Palastökonomie".)
Aristoteles konnte die bürgerliche Form des Eigentums entdecken, sie beherrschte ja den allgemeinen Handel, aber die bürgerliche arbeitende Klasse, deren Form sie war, war in den Hintergrund gedrückt und schier unter der im Vordergrund agierenden Sklavenarbeit verschwunden; und deren Interesse war die bürgerliche Eigentumsform gerade nicht. (Aus der Sklavenarbeit lässt sich wohl kaum auf Warenproduktion schließen.[7])
Erst mit dem Beginn des industriellen Zeitalters, der wirklichen Verallgemeinerung der Warenproduktion als Produktionsweise der Gesellschaft, bemühten sich die Ökonomen (Smith/Petty, später Ricardo, also alles Engländer - die zunächst die theoretischen Maßstäbe bei der industriellen Revolution setzten -) wieder darum, Licht in das Dunkel um den Wertbegriff zu bringen. Teilweise gelang das, indem die Ökonomen tatsächlich Wert als Arbeit entschlüsselten, was allerdings nicht reichte, wie wir nun sehen werden.
Es ist nicht Arbeit so mir nichts dir nichts zu entdecken, sondern in einer "zwiespältigen Weise"; Arbeit ist ein Doppelbegriff, d.h. die Arbeit hat zwei Seiten, eine allgemeine, die jede Arbeit meint, und eine besondere, die mit jeder Arbeit wechselt. Aber das dazu Notwendige ist in der Mitte des 19. Jahrhunderts dann von Marx gesagt worden. Marx markiert nicht den Beginn der Wertanalyse, aber deren Ende. Erst fragt man, dann weiß man. D.h. er gelangte auf den Grund des zu Erkennenden. Danach ist/war eine weitere Entwicklung des Wertbegriffs und Analyse der Wertform nicht mehr möglich. (Nur Angriffe, Infragestellung seiner Entdeckung - und noch Verschweigen - erlebte Marx und seine Theorie nach seinem Tod.) Die Erweiterung der Theorie kann jetzt nur noch in der Darlegung dessen bestehen, wodurch die Wertform als historische ökonomische Kategorie aufgehoben, in welchen Formen das geschieht bzw. durch welche andere ökonomische Kategorie sie ersetzt wird.
Erst Marx gab der Darlegung den Begriff "Die Wertform". ("Die Wertform" ist auch der Titel einer - auf Rat von Engels - dem "Kapital" Band I nachgereichten kleinen Schrift, in der die Wertform - jetzt im subjektiven Sinne - ihre höchste, filigranartige Darlegung findet.) Man beachte, dass man, um den Wertbegriff in einer Warenproduktion darzulegen, sich auf die Ebene der gegenständlichen Arbeit, die Ebene der Arbeitsprodukte begeben muß ("Die Ware ist mein Subjekt", sagt daher auch Marx); in der Warenproduktion stellt man die Frage nach dem Wert für sich austauschende Waren. Zur Arbeit, also der Waren Ausgangspunkt oder Grundlage, kann man im Verständnis nur vorstoßen. Das tragende Thema der Wertform ist der Arbeitsbegriff, aber ausgehend von einem Warenverhältnis.
Die Wertform kann heute als gesichertes Wissen betrachtet werden.
Das reicht aber nur bis Marx. Wie geht es weiter? Ging es weiter? Ja, natürlich, es kam der Kapitalismus. Und nach ihm der Kommunismus; auch mit ihm haben wir es schon zu tun. Wertform und Kapitalismus, Wertform und Kommunismus, das sind neue Fragen. Beide Gesellschaften sind nicht mehr Gesellschaften des klassischen einfachen, noch selbstarbeitenden Privateigentümers, von dem das Wertverhältnis einst ausgegangen ist. Sie treten der Warenproduktion entweder als Verschmelzung des Privateigentums zu einem tendenziell einzigen Eigentum, oder als deren Aufhebung überhaupt bzw. Vergesellschaftung jeglichen Eigentums gegenüber. D.h. Kapitalismus und Kommunismus berühren die Grundlage der Warenproduktion von der Eigentumsfrage her.[8] Wie wirkt sich Eigentumsverschmelzung und Eigentumslosigkeit nun auf die Wertform aus, das ist die historisch aktualisierte Frage.
Das eigentlich Spannende - für die Wertform - ist die Aufhebung des Wertverhältnisses und damit der Wertform, zunächst im Kapitalismus, ob überhaupt im Kapitalismus, und dann im Kommunismus. Sie steht in unserer Zeit praktisch wie theoretisch zur Debatte, einmal als Forderung, andermal als Realität. In dieser Frage liegt noch kein gesichertes Wissen, keine allgemeine Anerkennung des dazu schon Gesagten vor. Im Gegenteil: Weil - "wie es doch scheint" - die Warenform des Produkts über den Kapitalismus hinaus in den Sozialismus, die erste Phase des Kommunismus fortgetragen wurde, wird eine historisch zur Debatte stehende Negation der Wertform ins Reich der Phantasie bzw. ökonomischen Spinnerei verlegt.
Ja, die Arbeiterbewegung tut sich schwer mit ihrer grundsätzlichen Kritik an der Geschichte des Privateigentums. Sie beginnt ihre Geschichte ... mit einer Spaltung ihrer eigenen Reihen. Sie meint (manche meinen, ein Teil meint), unter Führung der Arbeiter könnte man es doch mit einer Wiederholung der privaten Geschichte, sprich Warenökonomie, versuchen; Arbeiter als ökonomisches Subjekt an Stelle der Eigentümer - ergäbe das nicht die bessere Geschichte der Warenökonomie, ihre ökonomisch-rationale und zugleich ökonomisch-soziale Form? Maximal wird noch (um Marx, der von einer Überwindung der Wertform im und durch den Kommunismus ausging, Referenz zu erweisen) von einer Negation der Warenform des Produkts in einer so genannten zweiten Phase des Kommunismus gesprochen. D.h. die Entscheidung wird geschichtlich hinausgeschoben. Den beiden Phasen des Kommunismus, von denen Marx noch ausging, wird ein jeweils anderer ökonomischer Inhalt unterstellt: Statt einer einheitlichen Gesellschaftsordnung haben/hätten wir es nach dem Kapitalismus mit zwei Ordnungen zu tun. Die Spaltung in der Arbeiterbewegung ist längst keine des politischen Subjekts mehr, dahinter stehen handfeste Gesellschaftsinteressen: in der Tat nicht nur ein Zwei-Wege-Kommunismus, sondern ein Zwei-Formen-Kommunismus. Und es fragt sich: Noch ein Gegensatz in der Geschichte? Noch ein Klassenkampf innerhalb einer Klasse, nun in der der Arbeiter? Dann hätten wir nicht allzu viel gelernt aus der auf besondere Weise reichen Geschichte, d.h. durch gesondertes Eigentum reichen.
In Wahrheit genügt es aufgrund der ökonomischen Praxis des real existierenden Sozialismus nicht mehr die Wertform darzustellen, wenn in die Darstellung nicht deren Negation mit aufgenommen ist; was rückwirkend in Bezug auf die Wertform selbst heißt, sich ihrer Widersprüche an sich stärker bewußt zu werden. Das betrifft insbesondere die stärkere Rückführung der Wertform auf das Privateigentum. Sodann geht es um die eindeutigere Darstellung dessen, was Austausch ist: Austausch ist Wertdarstellung, nicht Gebrauchswertwechsel, wie man immer wieder liest. Denn den Wechsel der Gebrauchswerte wird es in jeder arbeitsgeteilten Gesellschaft geben, auch im Kommunismus.
Identifizieren wir aber die Warenproduktion mit Gebrauchswertwechsel, identifizieren wir sie auch mit dem Kommunismus. Wir stellten uns selbst in der Theorie ein Bein für unsere Praxis. Ohne endlich den Unterschied von Austausch und Arbeitsteilung zu finden, werden wir uns wohl vergeblich mühen, einen Unterschied von Geschichte vor dem Kommunismus und Geschichte nach dem Kapitalismus zu bestimmen. Und für die erste kommunistische Praxis muß man sich dem System der konstanten Preise stellen. Sie sind der größte bisherige praktische Einbruch in das warenökonomische System. Wo es doch um Wert, Wertgrößen – und das sind quantitativ gesehen doch Arbeitszeiten - gehen soll, was bedeuten da konstante, über Jahre und Jahrzehnte hinweg konstante Preise? Stagnierende Produktivkräfte, oder … Desinteresse am Wert? Oder, und damit drittens: Hilfsformen der Distribution nach dem Gebrauchswert. Damit wäre der Durchbruch durch die Verhältnisse der Warenproduktion bzw. des Privateigentums erreicht – und der Kommunismus verstanden. Es geht – beim Kommunismus – ja nicht um Gerechtigkeit (obwohl es auch darum geht), es geht um die Gerechtigkeit für ein anderes ökonomisches Prinzip, wie es sich bereits in den Widersprüchen des Kapitalismus andeutet. Und was den Kapitalismus selbst betrifft, so steht auch er „nicht stille“. Was bedeutet es für eine Warenproduktion, ständig mehr Geld zu produzieren als Waren? Kapitalismus glänzt in ständiger Entwertung – aber nur des Geldes. Jedenfalls scheint von der ganzen ökonomischen Bewegung nur die Bewegung des Geldes zu erscheinen. Die Preise sinken nicht mehr, wenn die Arbeit produktiver wird, also die Warenproduktion doch zunimmt. Sondern sie steigen – und dies nominell. Warum haben wir eine Inflation in Permanenz?
Wir müssen angesichts erster gesellschaftlicher Formen der Kritik der Wertform davon ausgehen, dass diese Aufhebung der Warenproduktion/der Wertform bereits begonnen hat. Als da sind: zwei Formen, in denen an der Wertform genagt worden und sie in Frage gestellt wird:
- a) ist das die Form der kapitalistischen "Erweiterung" - was das ist, sagt Marx im "Kapital" (Bd. I, S. 168/169): Kapital ist "Ware und Geld", beide sind jetzt nur prozessierende Formen des Wertes. Aber was bedeutet das? Wir erleben in der Form der kapitalistischen Inflation ein Ineinanderüberlaufen von Ware und Geld, das in keine ursprüngliche Wertform unterzubringen ist; und
- b) ist das die Form der kommunistischen "Erstarrung": Geld wird nicht abgeschafft (wie vermutet), aber die Preise "erstarren", das sozialistische Preissystem wird ein Festpreissystem - und das ist erst recht nicht in die Wertform unterzubringen. Und damit ergibt sich
- c), die Frage nach dem Verhältnis der kapitalistischen und der kommunistischen Veränderung zueinander und der letzten Entwicklung der Wertform zur Wertform insgesamt.
Denn im Unterschied zu manchen radikalen Theorien vom Kommunismus dockt der wissenschaftliche Kommunismus an die reale Entwicklung der vorhergehenden Gesellschaft des Kapitalismus an, d.h. er erkennt in diesem den Übergang zu sich. Er knüpft nicht nahtlos an den Kapitalismus an, er ist nicht die bessere Form des Kapitalismus, aber er erkennt zumindest, dass im Kapitalismus das Eigentum an eine entwickelte Form der gesellschaftlichen Arbeit geraten ist – und er darauf mit einem Widerspruch reagiert. Seine Lösung macht den Kommunismus, eine den kapitalistischen Widerspruch lösende Gesellschaft notwendig: Kapitalismus ist dem Kommunismus nur eine zu ihm vermittelnde Gesellschaftsform; zu seinem Verständnis braucht er den Kapitalismus, mit einer Theorie bloßen Bruchs ist das nicht getan.
Aber zunächst die Wertform selbst - wir folgen der Darstellung von Marx.
I. Die Wertform |
Wertform heißt nichts, als dass zwei Arbeitsprodukte eine Gleichsetzung erfahren, heißt, dass sie ein Verhältnis eingehen, worin sie eine Gleichheit ausdrücken - von der sie allerdings sind! Sie können nur ausdrücken, was ihnen innewohnt, inhärent ist. Dadurch, dass Arbeits-Produkte diese Gleichheit ausdrücken, werden sie zu Waren.
Warum sie das tun oder warum Arbeitsprodukte gezwungen sind, ein Gleichheitsverhältnis einzugehen, hängt mit einem besonderen Produktionsverhältnis zusammen, das Menschen zueinander eingehen. Die Ware ist das Gründungsprodukt einer besonderen Form des Privateigentums, das eine Gesellschaft des gegenseitigen Verkehrs seiner Arbeit beginnt. Es muß zugleich privat sein und gesellschaftlich sein, also zugleich für sich und für andere produzieren; für sich den Wert, für andere den Gebrauchswert. Die Symbiose heißt Ware. Die Ware ist einerseits Wert, andererseits Gebrauchswert. Das eine, den Wert, behält sein Warenproduzent, will er behalten, das andere, den Gebrauchswert, gibt er weg an die Gesellschaft, einen äußeren Konsumenten. Die ersten Waren sind Überschüsse. Dass die Produktion Waren produziert, zeigt einen gewissen Reichtum der Gemeinschaft (die hier produziert) an. Indem sie andererseits den Überschüssen ihrer Produktion (auf sich bezogen Überschüsse) eine spezifische Form, nämlich die Wertform gibt, besagt, dass sie sich zu dem Gebrauchswert, den sie für ihren eigenen, den sie weggegeben hat, eintauscht, nicht gleichgültig verhalten kann. Er muss ihr zur Ausdrucksform für ihren immanenten Wert werden; und so kann die Ware resp. ihr Produzent in ein Verhältnis zum Wert/Arbeitsaufwand der Ware treten, womit diese eine spezifische Form für eine gesellschaftliche Produktionsweise wird, die Warenproduktion.
Wie man sieht, wechseln hier eine ganze Menge Bestimmungen hin und her, aber sie erst einmal zu lernen, gehört zum Verständnis der Warenproduktion.
Dass sich die Menschheit auf eine Gleichheit ihrer Arbeit als ihre Gesellschaftlichkeit bezieht, drückt zugleich auch aus, dass der qualitative Charakter ihrer Arbeit, also die nicht gleichförmige Seite ihrer Arbeit, ihre Arbeit als konkrete, noch von geringer Entwicklung ist; es lohnt noch nicht, sich auf die gesellschaftliche Bedeutung ihrer konkreten Arbeit - als ihre andere mögliche gesellschaftliche Verbindlichkeit - zu beziehen, das kann erst in einer zukünftigen Menschheit zur Regelung des gemeinschaftlichen Verkehrs verbindlich gemacht werden. (Diese Zukunft ist allerdings da. D.h. ein entwickelter Charakter der konkreten Arbeit ist gegeben. Der Wechsel im Verhältnis zur Arbeit - von der abstrakten zur konkreten Seite - steht auf der Tagesordnung. Er ist mit der Aufgabe des Privateigentums verbunden und damit der Ware)[9]
Die Gleichheitsform der Ware heißt bei Marx (es sind x-beliebige Waren unterstellt):
20 Ellen Leinewand = 1 Rock.
20 Ellen Leinewand drücken eine Gleichheit in/mit einem Rock aus, das ist also die Wertform, weiter ist sie nichts.
Man muss sich in einer Verschiedenheit - Leinewand auf der einen, Rock auf der anderen Seite - eine Gleichheit erklären. Als auf Gleiches reduziert/hingeführt, ist "ihre Verschiedenheit erloschen", sagt Marx. Leinewand will nicht Leinewand sein, sondern eine Gleichheit ausdrücken, und diese Gleichheit ist in Rock erschienen, gegeben. (Was, so später Engels, "eine schielende Weise ist", den Wert der Ware auszudrücken - in Rock; dies nur nebenbei.)[10]
Die beiden Waren sind also - in dieser Formel - nicht länger als Leinewand und Rock zu betrachten, sondern sind als etwas Gleiches zu betrachten, das in Leinewand und Rock enthalten ist. Die sagende (fragende, sich ausdrückende) Ware ist die Ware A, 20 Ellen Leinewand. Sie sagt von sich, dass sie gleich der Ware B ist; B ist die antwortende Ware, sie antwortet, ja, ich bin die Form Deiner Gleichheit, um die Du nachgesucht hast. A will gleiche Ware sein (oder will mit ihrer Ware Gleichheit zu allen anderen Waren sein), und B sagt, dass sie diese ist.
Der ganze Witz an der Sache, und die Verwirrung, die dadurch erzeugt wird, sind nur, dass in der Wertform unser Rock, also eine konkrete Arbeit, für gleiche Arbeit genommen wird. Es reicht nicht, dass wir in den Waren Arbeit als gleiche Arbeit erkennen – das wäre letztlich eine ganz einfache Sache; umgekehrt: gleiche Arbeit soll erscheinen, und da erscheinende Arbeit identisch mit vergegenständlichter Arbeit und als solche von konkreter Form ist, muß eine Vertauschung der Bedeutung von konkreter Arbeit vorgenommen werden: Sie gilt – innerhalb dieser Form für den Wert - als wertbildende, also gleiche Arbeit. Konkrete Arbeit „gilt als ihr Gegenteil, abstrakte Arbeit“ (Marx). Dies aber nur, weil die abstrakte Arbeit gegenständlich erworben werden will.
Es gilt, in der Wertform einen qualitativen und einen quantitativen Gehalt des Gleichseins zu entdecken und zu unterscheiden. Der qualitative ist Leinewand = Rock, der quantitative 20 Ellen = 1 Stück.
Der qualitative Gehalt: Wir streichen, um auf den qualitativen Gehalt der Gleichheit zu kommen, die beiden Ziffern (Warenmengen), dann heißt die Gleichung:
Leinewand = Rock.
Auf den ersten Blick ist diese Gleichung unmöglich. Denn unter dem Gesichtspunkt der Erscheinung ist Leinewand nicht Rock, und Rock nicht Leinewand. Etwas ganz Verschiedenes von Leinewand kann nicht die Gleichheit (das Gleiche) von Leinewand sein. (Theoretisch kann, ginge man von der Form der Ware aus, gleich zur Leinewand nur Leinewand sein.) Die Gleichung zwingt uns also dazu - um nicht die Analyse der Wertform schon sofort einzustellen und als Humbug abzutun -, von der Verschiedenheit abzusehen, um die Gleichheit, um die es uns in der Gleichung geht, zu erkennen. Soll die Erscheinung also ein Wesen zum Ausdruck bringen, so sind Leinewand und Rock auf etwas Gleiches zu reduzieren, was sie beide gleichermaßen sind/enthalten, was sie also nicht als Leinewand und als Rock (als Gebrauchswerte) sind, sondern als etwas Gleiches in Leinewand und Rock. Und Rock bringt das zur Erscheinung. Und das geht, wenn wir Leinewand und Rock auf Arbeit reduzieren. Beide Waren sind gleichermaßen durch Arbeit entstanden. Die Erscheinung dient nur dazu, etwas Wesentliches zum Ausdruck zu bringen; das ist hier ihr Gemeinsames als Arbeit, wobei die gegenständliche Form der Arbeit nur dazu dient, dass wir uns über etwas höchst lebendiges, die Arbeit, im Klaren werden.
Ja, sagt jetzt unserer Kritiker, es sind aber Leinewand und Rock, und diese entstehen durch verschiedene Arbeit, die eine Ware durch Weberarbeit, die andere durch Schneiderarbeit. Wir scheinen keinen Deut gebessert, wenn wir von der Verschiedenheit der Gegenstände auf die Arbeit zurückfallen und hier auch nur auf verschiedene Arbeit stoßen. Also kann die Reduktion auf Arbeit keine Gleichsetzung der beiden Waren ergeben. Was in Bezug auf die Gegenständlichkeit unmöglich ist (wenn sie verschiedene Gegenständlichkeit ist), bringt uns bei der Reduktion auf Arbeit keinen Schritt weiter, ist auch unmöglich. Verschiedene Arbeit in der gegenständlichen Vorstellung kann auch nur auf verschiedene Arbeit in der lebendigen Vorstellung reduziert werden. Das wäre eine Hinführung bezüglich der Arbeit, die uns schon bezüglich der gegenständlichen Form der Arbeit vorgegeben ist. Also:
Leinewand(arbeit) ... Rock(arbeit)
Das Zeichen der Gleichsetzung in der Mitte erübrigte sich, ist gestrichen. Wir sind an eine reine Aufzählung geraten, was es so alles an Arbeit gibt. Und Leinewand auf Leinewand zu reduzieren, also an sich bestimmte Arbeit auf dieselbe bestimmte Arbeit, ergäbe wiederum keinen Austausch. In der Arbeit, zu der man "austauschte", befände man sich ja schon. Eine solche "Wertform" wäre nur eine Form für die Tautologie:
20 Ellen Leinewand = 20 Ellen Leinewand
Nein, hat da aber Marx gekontert, die Gleichsetzung der verschiedenen Waren auf Arbeit findet doch in der Gesellschaft statt, die Gleichsetzungsökonomie ist eine geschichtliche Produktionsweise, und wenn wir von der Verschiedenheit der Arbeit absehen und auf gleiche Arbeit reduzierten, stießen wir auch auf des Rätsels Lösung; beide Waren sind als Arbeit gesehen Waren von gleicher Arbeit. Sie sind, obwohl von verschiedener Arbeit (was nicht bestritten und nicht aufgehoben ist) zugleich Waren von gleicher Arbeit. Man darf, um die Wertform zu verstehen, von der Ware ausgehend nicht von deren Verschiedenheit ausgehen, sondern davon, dass sie ein Gleichsetzungsverhältnis eingehen (oder ausdrücken). Waren (Verschiedenes) machen nur etwas sichtbar, was sie nicht als Verschiedenes sind, sondern als Gleiches. Die Reduktion auf Arbeit bleibt.
Was ist im Unterschied zu verschiedener Arbeit gleiche Arbeit? Das ist Arbeit als der "bloße Gebrauch von Muskel, Nerv und Hirn", antwortet nun Marx. Das ist eine Abstraktion der Arbeit, die bei jeder Arbeit in Gebrauch kommt. Sie kommt nicht nur bei jeder Arbeit zur Anwendung, sondern jeder Arbeiter (dies gilt hier für die Warenproduktion) wendet sie an, sie ist also zugleich eine Gleichförmigkeit der Arbeit, die deshalb für die gesamte Arbeitskraft einer Gesellschaft verbindlich ist. Während man, um die unterschiedliche Arbeit zu entdecken, von jeder Arbeit zu jeder Arbeit wechseln muss, findet man die gleichförmige in jeder Arbeit vor, zu der man gewechselt. Sie ist allgemein; man brauchte also gar nicht zu wechseln, um in ihr zu sein. Das Ganze, Allgemeine, ist im Einzelnen. Das Allgemeine braucht de fakto nur aus dem Einzelnen befreit zu werden, es bedarf nur einer eigenen Form, um sich des Allgemeinen auch bemächtigen zu können. Die Austauschbarkeit[11] der Arbeit ist ein Gesamtheitsbegriff, ein Begriff, der die gesamte Arbeitskraft einer Gesellschaft erfasst und deren gleichförmige Seite hervorhebt. Austauschbarkeit und Allgemeinheit sind Synonyme. Die Gleichheit der Waren, deren Bestimmung in der Wertform, ist eine Gleichheit in Bezug auf diese Gesamtheit an Arbeit, diese Form ist notwendigerweise abstrakt[12] (und auch "ungenau") gegen deren einzelnes Inkrafttreten. Der Wert als gesellschaftlich bestimmter Wert (gesellschaftlich bestimmte Wertgröße) kann nicht mit dem Wert in seiner Individualität oder Einzelheit identisch sein. Das wäre die Aufhebung des Wertes. Würde die direkte Arbeit wertbestimmend, müsste der Wert aus der Gesellschaft verschwinden. Der eine Inhalt kann nicht der andere Inhalt, die eine Größe nicht die andere Größe sein.
Die Individualität kann nicht veröffentlicht werden, sie kann nicht von der Individualität anerkannt werden - das setzte die Individuen ungleich. Die Individualität muss, solange eine übergeordnete Gesellschaft nicht existiert, ein von Individuen zu lösendes Problem, eine zu Lasten der Individuen gehende Lösung sein; deshalb die Wertform, die eine Form für Individuen ist, aber mit dem Rang einer gesellschaftlichen Verbindlichkeit, also deren gemeinsame Form ist, oder: nur als deren gemeinsame Form verbindlich ist. Andererseits: Existierte die Gesellschaft - die dann auch verantwortlich ist für die Individualität (denn sie ist es ja, die sie ausbildet) -, muß Individualität auch unmittelbar gesellschaftlich anerkannt werden; eine gesellschaftliche Größe, die verbindlich wird für die Individuen (deren Mittelwert sie ist), erübrigt sich dann. Unter der Bedingung, dass auf Individuen/Individualität eine Gesellschaft gegründet werden soll, gilt eine gemeinsame individuelle Form als Basis des gegenseitigen Verkehrs (wer ist mehr oder weniger gesellschaftlich, lautet die Frage), und umgekehrt: Unter Bedingung, dass die Gesellschaft gegründet ist und sie ihre Individuen misst, muß sie sie unmittelbar, d.h. in ihrer Individualität „messen“/anerkennen, denn der Faktor einer individuellen Individualität entfällt ja; die Gesellschaft ist für ihre Einzelheiten verantwortlich (gemeint ist hier natürlich die Arbeit), es gibt kein Mehr oder Weniger an Gesellschaftlichkeit, nur deren Gleichheit für alle Individuen. Es macht dann keinen Sinn mehr, Individuen an einer Sache zu messen, die allen gemeinsam ist. D.h. Individualität wird dann an Momenten gemessen (wenn gemessen), die nicht mehr solche der Arbeit sind.
Die Arbeit hat also einen doppelten Charakter: Sie ist einerseits gleiche Arbeit, Marx nannte sie abstrakte Arbeit oder die abstrakte Seite der Arbeit, die bei jeder Form von Verausgabung von Arbeitskraft zur Anwendung kommt (und das eine Produkt zum anderen hin gleich macht), und sie ist andererseits verschiedene Arbeit, Marx nannte sie konkrete Arbeit oder konkrete Seite der Arbeit, wie sie nur bei einer besonderen Art von Fertigung in Frage kommt (und das eine Produkt vom anderen verschieden macht).
Ihre Gleichsetzung erfährt die Ware durch die Reduzierbarkeit auf gleiche ("nämliche", "gleichförmige") Arbeit.[13] Sie macht ihre Gleichheit, die sie vom Ursprung her durch Arbeit ist, aber erst in einem Austausch zu einer anderen Ware geltend/sichtbar. Dadurch, dass die Ware ihre Geltung äußerlich, in einer anderen Ware sichtbar macht, wird es zum Schein, dass sie unmittelbar diese Geltung nicht besitzt, sondern erst dadurch erhält, dass sie sich auf diese äußere Ware bezieht, die diese Geltung unmittelbar zu "besitzen" scheint. Indem die Ware sich aber in diesem Warenwechsel auf ihren Wert bezieht, bezieht sie sich auf ihre Gleichheit als ein inneres Verhältnis, auf ihre Gleichheit als Arbeit. Sie ist Ware/Wert in ihrer Voraussetzung.
Und wer nun meint, das alles seien doch Spitzfindigkeiten, Gedanken-Konstruktionen, dem sei geantwortet, dass das ja so scheinen mag, aber es sind die Spitzfindigkeiten einer Produktionsweise, der Warenproduktion. Dass wir allerdings bei der Analyse der Ware auf die Existenz eines Doppelcharakters der Arbeit stoßen, bedeutet umgekehrt nicht, dass wir bei der Analyse der Arbeit auf die Existenz eines Doppelcharakters der Ware - oder überhaupt auf die Ware - stoßen. Man kann, und muß, die Ware als Arbeit erklären, aber deshalb nicht auch die Arbeit als Ware. Die eigentliche Erklärung der Ware, ihrer Ursache und Notwendigkeit, erfolgt aus dem spezifischen Charakter eines Privateigentums, daher nicht aus der Arbeit! Verhältnisse ergreifen die Arbeit, aber umgekehrt ist Arbeit nicht ihr Verhältnis, da Arbeit zunächst ein auf den Menschen bezogener naturhafter Prozess ist; der Mensch kann arbeiten, das ist eine natürliche Gabe, die so lange dauert, wie sich die Natur den Menschen erlaubt. (Das hat also mit Produktionsweise der Arbeitder Menschen nichts zu tun, denn das können sehr viele sein, nicht nur Warenproduktion.)
Die Erkennung eines Doppelcharakters der Arbeit ist für die Erkennung der Wertform konstitutiv. Es machte überhaupt keinen Sinn, ausgehend von dem gegenständlichen Produkt der Arbeit auf die Arbeit selbst zu rekurrieren, wenn nicht sofort fortgeschritten würde auf die Erkennung deren doppelten Charakters. Gerade weil es in der historischen Entwicklung der Warenproduktion zum immer stärkeren Hervortreten der abstrakten Seite der Arbeit kommt, ist es schon für den Beginn der Warenproduktion notwendig, die Reduktion auf diese Seite in der Arbeit in der Wertform zu betonen und keine Verwechselung, keine Vermischung mit der konkreten Seite der Arbeit zuzulassen. Marx nannte den Doppelcharakter der Arbeit den "Springpunkt des Verstehens der Politischen Ökonomie" - der Warenproduktion, muß man hinzufügen. Womit von vornherein klar ist oder klar sein muß, dass die Wertform (oder das warenförmige Produkt) ihre/seine Grenzen hat. Die Grenzen sind in der Wertform selbst gesetzt - indem sie nur Bezug auf die quantitative Seite der Arbeit und deren Grundlage, die abstrakte Seite der Arbeit ist. Wegen dieser einseitigen Grundlage muß sie zwanghaft kollidieren mit der qualitativen Seite der Arbeit und deren wachsende Bedeutung mit zunehmender gesellschaftlicher Entwicklung. Wobei uns auch klar sein muß, dass sich aus der qualitativen Seite der Arbeit ein eigenes ökonomisches Prinzip, d.h. eine besondere, von der quantitativen Seite der Arbeit verschiedene Form der gesellschaftlichen Aneignung ableiten lassen muß; sonst wäre die Kritik an der Wertform nichtig.
Die Wertform - als das Verhältnis zweier Waren - drückt gesellschaftlich nichts als den Gegensatz von privatem Eigentum an der Arbeit und gesellschaftlichem Charakter der Arbeit aus. Die Ware als Doppeltes ist Eigentum und Produkt für andere. Aber um dies gesellschaftlich als Unterschied, Verdoppelung in der Aneignung zu setzen, bedarf der Wert (!) der Ware einer doppelten Darstellung; die Wertform der Ware ist nur für den Wert da, sonst für nichts, sie ist nicht etwa eine Notwendigkeit des Gebrauchswertes, damit dieser gesellschaftlich (durch andere) angeeignet werden kann. Den Gebrauchswert gesellschaftlich anzueignen, bedarf es keiner anderen Form als des Gebrauchswertes selbst.
Nun hieß die übliche Formel aber
20 Ellen Leinewand = 1 Rock.
Die Wertform hat auch eine quantitative Seite: 20 Ellen und 1 Stück (Rock). In diesen Warenmengen ist gesagt, dass Waren, um von der gleichen Substanz auch von gleicher Menge der Substanz zu sein, gerade in diesen Mengen getauscht werden müssen. Nicht mehr und nicht weniger.
Woher haben sie die quantitative Gleichheit? Von der gleichen Arbeitszeit an Arbeit in nämlicher, also gleicher, also abstrakter Hinsicht. Arbeit in abstrakter Hinsicht hat als einzigen Unterschied ihren quantitativen Unterschied, also zeitlichen Unterschied.
Nun ist 20 Ellen Leinewand und 1 Rock kein zeitlicher Unterschied, aber wir haben es bei der Wertform eben mit der Besonderheit zu tun, dass Arbeit überhaupt in Resultaten der Arbeit, also in Körpern, Warenkörpern, ausgedrückt werden (= entfremdetes Verhalten der lebendigen von der gegenständlichen Arbeit), und hier die Arbeit und Arbeitszeit des Warenkörpers A im Warenkörper der Ware B. Irgendeine Zeit ist gearbeitet worden - in der Ware A -, deren gegenständliches Resultat ist aufgrund bestimmter Produktivkraft der Weberarbeit 20 Ellen Leinewand, und der Tausch in die Ware B geht nur unter der Bedingung vonstatten, dass auch in der Ware B eine adäquate Zeit gearbeitet worden ist, und deren körperliches Resultat genau in 1 Rock zum "Erliegen" kam. Würde die Produktivkraft in der Arbeit B ändern, zum Beispiel steigen, und brächte die gleiche Arbeitszeit 2 Röcke zustande, würde quantitativ gesehen der Austausch bzw. die Gleichsetzungsformel der Ware A lauten:
20 Ellen Leinewand = 2 Röcke.
Auch dieser Austausch wäre der Austausch nur einer Stunde gegen eine andere Stunde - woran man im übrigen erkennt, dass es beim Inhalt des Austausches doch wohl nicht um den Gebrauchswert geht, denn dann hätte er sich geändert (während uns die Reduktion auf die gleiche Zeit den Austausch der geänderten Körpermengen als den gleichen zeigt). Die Gleichsetzung einer Stunde Arbeit erfolgt also über die unterschiedlichsten Mengen an Warenkörpern, diese sind kein erschöpfender Ausdruck für die quantitative Gleichheit an Zeit, weil sie von der Produktivkraft abhängt, wie sie in den jeweiligen verschiedenen Arbeiten gegeben ist bzw. in der Zukunft - und unabhängig voneinander - wechselt.
Die Zeitbestimmung in der Wertform erfolgt allerdings in einer besonderen Form: sie ist gesellschaftlich durchschnittlich notwendig bestimmte Arbeitszeit. Sie ist also nicht mit der unmittelbar geleisteten Arbeitszeit identisch, sie ist nicht der Wert der individuellen Arbeit, sondern geht von dieser nur aus, um sich als ein Durchschnitt – oder als eine elementare, d.h. gesellschaftlich verbindliche Größe – zu bestimmen. Bei Veränderung der individuellen Produktivkraft wird jeglicher individuelle Wert/neue Wert gesellschaftlich gewichtet, der gesellschaftliche Wert nimmt individuelle Wertveränderungen nur anteilig auf. Dazu kommen dann auf der Ebene der realen Preise, wie sie im Austausch verwirklicht werden, noch Schwankungen der Preise um den soeben gesellschaftlich bestimmten Wert resp. diesem Wert entsprechenden Preis hinzu. Die Summe aller individuellen Werte ist aber der Summe des gesellschaftlichen Wertes resp. der Summe der realisierten Preise identisch.
Während die qualitative Form der Gleichsetzung immer stimmt, stimmt die quantitative "nie"! (Marx sagt: Im Durchschnitt.) Sie ist nur per Zufall direkt identisch dem "wirklichen" Aufwand, die Wertgröße stimmt nur im Durchschnitt der Austausche. Wobei mit Wert bereits die Abweichung seiner gesellschaftlichen Form von der individuellen unterstellt ist; diese Abweichung, die für den gesellschaftlichen Begriff Wert in Wahrheit keine ist - er kann ja erst mit der gemeinsamen Form gegeben sein -, ist für den Wert konstitutiv; eine gesellschaftliche, allgemein verbindliche Größe steht immer der individuellen Größe, die nur eine Bedingung der Arbeit oder eben eine Arbeit als Bedingung erfasst - und auch in Unkenntnis aller anderen Bedingungen operiert (und operieren muß!) -, entgegen. Gleichheit im Tausch ist also sowohl ein gesichertes, als auch ein zuhöchst ungesichertes ökonomisches Verhältnis; qualitativ gesehen befindet man sich zwar immer im Feld oder Bannkreis der abstrakten Arbeit, egal wie die Differenzen der gesellschaftlich bestimmten Wertgröße zu den individuellen Größen ausfallen bzw. im realen Tausch selbst wieder von der gesellschaftlichen Größe abgewichen wird.
Sicher (sozial sicher) kann nur ein ökonomisches Verhältnis sein, das von den Unwägbarkeiten individueller Arbeit absieht und auf einem gemeinsamen Verhältnis zu jeder Arbeit, der Arbeit an sich, gründet – es sei, dass auch dieses Unwägbarkeiten enthält, dann aber anderer Natur. Nicht solche, worin die allgemeine Arbeit - und deren Entwicklung - gegeben, eine individuelle aber sich im Gegensatz zu dieser bewegt, ihr entweder nachhinkt oder vorangeht. Dann schlägt die Individualität der Arbeit voll auf die Individuen durch, entweder in einem verschlechternden Sinne zum gesellschaftlich allgemeinen Standard, oder diesem weit voraus – als wäre die Individualität sogleich eine bessere Gesellschaft als die allgemeine. Dann wird die Individualität gegen die Gemeinschaft verteidigt.[14]
Um quantitative Gleichheit, selbst wenn sie als gesellschaftliches (qualitatives) Verhältnis garantiert ist, geht ein ewiger Kampf. Dennoch erkennen wir auch bei der quantitativen Gleichsetzung der qualitativ gleichen Arbeit eine gewisse Regelung. Gewisse gesellschaftliche Beziehungen/Strukturen der Arbeit, die einerseits gegeben sind, andererseits verändert werden sollen, werden nur dadurch geregelt, dass der gesellschaftlich notwendige Wert nicht nur gegeben ist, sondern dass von ihm abgewichen ist; bestimmte Abweichungen haben überhaupt die Bedeutung, dass sich der Wert/das Wertgesetz gesellschaftlich durchsetzen. Abweichungen vom Individuellen wie Abweichungen vom Gesellschaftlichen sind eben so sehr als sich bildende wie anpassende Formen des Wertes zu verstehen.
Dem Wert als Form der Regulation der Gesellschaft unter Bedingung des Privateigentums fällt die Aufgabe zu, die Gesellschaft einer direkten Regulation zu ersetzen. Er bringt in der geschichtlichen Perspektive eine Gesellschaft hervor, ist diese aber noch nicht, ergo ersetzt er sie. Waren-, Wert-Ökonomie muss auch als eine Kommunismus (direkte gesellschaftliche Regulation) vorbereitende, daher sie (noch) ersetzende Gesellschaft verstanden werden. Am Schluss der Warenproduktion steht nicht die Warenproduktion, sondern ihr „Ende“, d.h. unter der Bedingung, dass die Menschheit, ihre Arbeit weiterexistieren, die direkte Regulation der Ökonomie.
Der Kampf um die Gleichheit ist zugleich eine Bedingung, dass in der Warenökonomie ein Fortschritt, eine Konzentration auf immer weniger Eigentümer stattfindet, d.h. letztlich eine Auslese der Produzenten erfolgt, worin die Aufhebung des Eigentums, d.h. die Erhebung des Eigentums zu einem/in einer Hand geschichtlich vorbereitet wird. Am Schluss (d.h. wenn zuvor nicht doch noch eine Revolution erfolgt) bedarf es nur noch eines Aktes, die Ökonomie der privaten Hand wieder aufzuheben und das Eigentum in einer Hand nur noch zu vereinigen. Eine Gesellschaft - ein Eigentum.
Die Individualität hat in einem Eigentum an Gegenständen sowieso ihre falsche Begründung. Der Prozess der Aufhebung der Privaten durch die Privaten führt uns der Aufhebung des Privateigentums immer näher; der Fortschritt, den diese Konzentration bringt, scheint wie im Widersinn zur Absicht im Gegensatz zu enden: Dem Nichteigentum.
Der Wert der Ware wird ausgedrückt, deshalb ist das Produkt eine Ware, aber er wird für die Ware relativ ausgedrückt, d.h. in einer anderen Ware. Die Wertform ist demnach die Form zweier Waren, deren eine sich in der
relativen Wertstellung
befindet, und sie ist es, die ihren Wert ausdrückt, und der Ausdruck des Wertes erfolgt in der anderen Ware, die damit in der
äquivalenten Stellung
des Wertes steht; sie stellt ihren Naturalkörper, d.h. ihren Gebrauchswert dem Wertausdruck der Ware in der relativen Wertstellung zur Verfügung. Ihr Körper ist nur Raum, räumlicher Ausdruck für den Wert. D.h. viel gefragt, ob die Ware Äquivalent sein will, wird da nicht, die Ware B muß gehorchen. (Unter anderer Bedingung als der, diese äquivalente Form für den Wert des Eigentümers des Produkts zu werden, kann das Produkt als Gebrauchswert nicht gesellschaftlich angeeignet werden). Das Sein als Äquivalenz ist ein Zwangsverhältnis.
Ferner: Was vordergründig für die beiden Waren gilt, gilt im Hintergrund für die beiden Arbeiten; die eine Arbeit befindet sich in einer relativen Stellung/Pflicht, die andere in einer äquivalenten Stellung/Pflicht.
Der Ausdruck des Wertes erfolgt zunächstgeschichtlich durch eine Ware in nur einer anderen Ware
= einfache Wertform:
Ware A = Ware B,
dann der einen Ware in vielen anderen Waren
= entfaltete Wertform:
= Ware B
Ware A = Ware C
= Ware D,
dann in deren Umkehrung aller Waren in der nur einen Ware
= allgemeine Wertform:
Ware B =
Ware C = Ware A.
Ware D =
Die Ware, die zu allen Waren tauscht, ist zugleich die Ware, zu der alle Waren tauschen. Die Ware, die sich zu allen Waren gleichsetzt, ist zugleich die Ware, zu der sich alle Waren gleichsetzen, d.h. sie ist die allgemeine Ware.
Die allgemeine Wertform ist nur anderer Name für Geldform, Geld.
Um zu verstehen, warum der Gebrauchswert Form für den Wert sein muß (Marx nannte das "Mißverständnis" des Gebrauchswertes das "Quidproquo" der Ware), müssen wir uns den zwei Waren in der Wertform näher widmen, der Rolle, die sie im Rahmen dieser Form spielen.
Das ist nicht dasselbe, als würde ich sagen, dass die Ware zwei Eigenschaften hat, die Ware doppelten Charakter hat: Einmal die Eigenschaft oder den Charakter, von Wert zu sein, andermal den, von Gebrauchswert zu sein. Jetzt geht es um die Bestimmung der Wertform selbst, und da spielt der Gebrauchswert, der jetzt ein anderer ist als die Ware als Gebrauchswert, eine Rolle rein für diese. Sie ist eine spezifische, ausschließlich auf die Wertform bezogene Rolle.
In der Wert- oder Austauschform zweier Waren heißt Gebrauchswert, dass der Wert der einen Ware im Gebrauchswert einer anderen Ware ausgedrückt wird; Gebrauchswert wird zur Erscheinungsform von Wert, Gegenständlichkeit zur Erscheinungsform von Lebendigkeit, oder - in einem auf die zugrundeliegende Arbeit übertragenen Sinne: konkrete Arbeit wird Erscheinungsform, oder auch Verwirklichungsform (Marx), von abstrakter Arbeit.
Es ist also in diesem Falle nicht von Bedeutung, dass es sich um zwei Gebrauchswerte handelt (die auch noch als solche einander tauschen); sondern der Wert muß erscheinen. Und da der Wert an sich unerscheinbar ist (die auf den Gegenstand verwandte abstrakte Arbeit und deren Dauer, die Arbeitszeit, ist selbst nicht zu vergegenständlichen), muß er, um erscheinbar zu werden, sich in das an sich Erscheinende (einer Arbeit) verwandeln. Und da das Erscheinende der Gebrauchswert, das Ding (die Körperlichkeit) aus Arbeit ist, muß der Wert in den Gebrauchswert verwandelt werden. Bzw. konkrete Arbeit nimmt in der Wertform die Geltung der abstrakten Arbeit an; sie, diese konkrete Arbeit in der äquivalenten Stellung der Wertform, gilt als Form der abstrakten Arbeit. In Wert verwandelter Gebrauchswert zu sein, also als Gebrauchswert Wert zu sein, ist die Bestimmung der Ware resp. des Gebrauchswertes der Ware in der äquivalenten Stellung im Rahmen der Wertform.
Es ist schon verwirrend genug, die Ware als eine Geltungsform der Arbeit zu verstehen, d.h. ein Arbeitsprodukt nicht als solches, sondern in einem gesellschaftlichen Verhältnis (= Eigentumsverhältnis) zu verstehen. Das geht ja noch an, weil wir uns immer eine Zurückführung der allgemeinen Wertform auf in der Tat allgemeine Arbeit zu erklären haben, Aber noch verwirrender muß es sein, eine Geltungsform zu verstehen, die konkrete Arbeit für ihr Gegenteil, abstrakte Arbeit nimmt. Mit dem gleichen Recht müßte man von einer Frau erwarten wollen, dass sie als ein Mann gälte, Weiblichkeit gälte als Männlichkeit.[15]
Der Geltungseffekt (Verfremdungseffekt), der der Warenproduktion an sich anhaftet, ist jedenfalls in einer konkreten Arbeit, die als die wirkliche Form von abstrakter Arbeit gilt, am höchsten entwickelt, und kann, ernst genommen, der abstrakten Arbeit das Verständnis der Natürlichkeit der Basis rauben; was dann darin erscheint, dass die Rückführung der abstrakten Arbeit auf "bloßen Verbrauch von Muskel, Nerv und Hirn" als "Naturalisierung des Wertbegriffs" gerügt ist. Man ist dann aber nur einem auf die Spitze getriebenen Geltungsbegriff auf den Leim gekrochen. Man meint dann, weil die Erscheinung über eine Geltungsform abläuft, müsse alles an der Wertform eine Geltung sein; die Waren hätten ihre Gleichheit nicht von der Arbeit her, sondern von der Geltung, die Natürlichem angeheftet würde. Hier läge dann in der Tat keine Reduzierbarkeit einer Geltung auf Natürlichkeit zugrunde, sondern der einen Natürlichkeit würde mit der anderen Natürlichkeit Geltung verschafft, die sie ohne diese nicht hätte. Simpel: Ohne die Geldform nicht die Wertform der Ware.
Umgekehrt ist richtig: Ohne die Ware nicht das Geld. Ohne das Doppelte in der Ware nicht die Verdoppelung der Ware. D.h. die Geltung operiert mit einer Verselbstständigung. Sie muß Außen mehr sein als Innen. Die Geltung (der Ware) ist übertragen auf die gegenteilige Form. Das ist nur mit der Rollenverteilung in der Wertform zu verstehen, mit dem Umstand, dass ein Wesen keine unmittelbare Erscheinung hat noch haben kann, und sich daher einer fremden bemächtigt (dem, was erscheint, bemächtigt). Aber nicht die Erscheinung macht den Rückkoppelungseffekt zur Ware. Geltungen sind immer Auszeichnungen.
Es klingt paradox, dass das Nichtgegenständliche in das Gegenständliche verwandeln muß, in seinen Gegensatz, aber so ist die Wertform. Wie aber geschieht das? Dies geschieht dadurch, dass die Ware beim Wechsel/Tausch ihrer Form in die andere Form die Bewegungen wahrnimmt, die ihr als abstrakte Seite der Arbeit und deren Größe eigen sind. D.h. sie wechselt nicht einfach in die andere Ware, sondern sie wechselt nur unter der Bedingung in die andere Ware, dass auch von einer Übertragung ihrer Wertform die Rede sein kann. Sie macht nichts sichtbar, wenn nicht ihren Wert. Was sie sichtbar macht, ist ihr Wert/Wertgröße, mehr Wert/-größe in mehr Gebrauchswertmenge der äquivalenten Ware, weniger in weniger. Dass die Ware in der relativen Wertstellung mit ihren Wertwechseln ihr quantitatives Austauschverhältnis zu der Ware in der äquivalenten Wertstellung wechselt, ist der Beweis, dass die Waren in der Tat ihren Wert in der äquivalenten Ware ausdrücken, und nichts anderes. Wertwechsel müssen als Gebrauchswertwechsel erscheinen - aber in einer fremden, anderen Ware, dann ist der Wert der Ware erschienen. Das Unsichtbare in der einen Ware muß in die Sichtbarkeit der anderen Ware verwandeln - das ist Austausch in der Warenproduktion, die dadurch spezifische gesellschaftliche Form des Händewechsels der Arbeitsprodukte in einer arbeitsgeteilt produzierenden Gesellschaft wird.[16]
Die Wertform selbst - als die Form zweier Waren - ist eine Austauschform. Zwei Waren tauschen ihren Platz (in der Wertform); wobei, und dies ist zu beachten und wird weiter unten noch einmal behandelt, die Analyse des Verhältnisses der relativen Ware zur äquivalenten Ware nur die eine Seite der Medaille ist. In eine vollständige Analyse gehört auch die Analyse des Verhältnisses, das die äquivalente Ware zur relativen Ware einnimmt, wenn sie in diese "tauscht".
Die Ware tauscht, wie gesagt, in eine andere Ware, um ihren Wert auszudrücken. Und das Geld tauscht, wie nun zu sagen, in einen anderen Gebrauchswert aus (denn was Wechsel der Ware in das Geld ist, ist Wechsel des Geldes in die Ware). Um seinen Wert auszudrücken?[17] Nein, Geld ist ja Ware anderen Charakters, es ist bereits unmittelbar Materiatur des Wertes, und überträgt, wenn es wechselt, seinen Charakter nur auf andere Gebrauchswerte. Der Austausch vermittelt nicht nur zwei Waren, sondern auch deren Bedeutung, die sie im Austausch haben. Das sind vorausgesetzte Bestimmungen, die nun entweder realisiert oder die weitergetragen werden; d.h. die eine Bestimmung ist zu realisieren, die andere kann nur weitergetragen/übertragen werden. In einem Austausch, in dem Waren ihren Wert ausdrücken, kann Geld nur seine Form, die es unmittelbar ist, wechseln. Und die ist Wert in seiner Erscheinung. Dem Geld sind alle Waren Gebrauchswerte für den Wert – im Unterschied zum Geld, das allgemeiner Gebrauchswert des Wertes ist, besondere. Also nur die Erscheinung, nur die Gegenständlichkeit für die Wertform, wird vom Geld im Austausch gewechselt. Dass diese wechselnden Mengen immer gleichen Wertes sind, dafür sorgt der Austausch der Ware zum Geld, in dem Waren auf ihren Wert reduziert werden. Damit sind alle Gebrauchswerte, deren Formen das Geld ab- und überstreift, gleichen Wertes, gleichen Rechts. Der allgemeinen Form muß alles allgemeine Form sein; gilt sie selbst unmittelbar als Wert, gilt ihr alles, was von Form ist, unmittelbar als Wert. Die Bewegung ihrer Gleichheit ist a priori gegeben, wird sie doch durch die Bewegung von der anderen Seite her besorgt. Indem die Waren sich als Werte bewegen, ist das Geld von gleichem Wert, wenn es in andere Waren wechselt. Von Seiten der Ware hat man eine andere Sicht auf die Wertform als von der Seite des Geldes aus. Sind von der Seite der Ware aus gesehen alle Waren Geld (ist Austausch also Ver-Geldung der Ware), so von der Seite der Geldes aus gesehen alles Geld Waren (ist Austausch Ver-Warung des Geldes.).
Die Ware tauscht aus, indem sie in die Gestalt einer anderen Ware schlüpft; sie tauscht ihre einfache (unfreie) Wertform gegen ihre allgemeine (freie) Wertform aus, d.h. die Ware wandelt ihre besondere Wertform in die allgemeine Wertform um. Das ist Austausch! Was also ist Austausch? Nichts weiter als der Austausch der nichtunmittelbaren mit der unmittelbaren Form für den Wert. Austausch ist den Wert verwirklichender Warenaustausch. Austausch ist ein rein das Privateigentum verwirklichender Akt. Beim Austausch handelt es sich um einen spezifischen auf die Ökonomie übertragenen gesellschaftlichen Akt; es ist klar, dass mit dem Ende des warenproduzierenden Privateigentums der Austausch, d.h. die gesellschaftliche Form für dieses Eigentum endet. Vorausgesetzt ist allerdings, dass man den Austausch auch so erklärt. Ein Mißverständnis in dieser Frage fällt unmittelbar zusammen mit einem Mißverständnis der Wertform, mit einem Mißverständnis in der Frage, was Austausch ist.
Auf der Basis, dass dieser Austausch der beiden Wertformen ständig stattfindet, wechseln die Waren als Gebrauchswerte der verschiedenen Arbeiten vom Produzenten zum Konsumenten.[18] Austausch ist also - ist die Rolle des Gebrauchswertes in der Wertform gemeint - immer die Verwandlung des Wertes der Ware, der der Ware inhärent ist, in die Ware, die das Inhärente der Ware unmittelbar zur Gegenständlichkeit erhebt; der Ware gegenüber ist diese die eingetauschte Ware und daher Form des Tauschwertes der Ware. Ihre unmittelbare Gegenständlichkeit für den Wert erfährt die(se) Ware durch den Wechsel der Ware, die diesen Ausdruck ihres Wertes will. Der Geltung der einen Ware ist der Wille der anderen Ware vorausgesetzt, ohne diesen besäße die (andere) Ware nicht jene.
Über den Warenwechsel erscheint der Wert immer als Tauschwert - um überhaupt zu erscheinen. Der Wert will erscheinen, und Tauschwert ist die Erscheinungsform des Wertes. Der Unterschied von Wert und Tauschwert ist der, dass der Wert immer ist, d.h. immer der Ware inhärent ist, und der Tauschwert wird. Tauschwert ist immer die im Austausch eingewechselte Ware. Beim Werden des Wertes zum Tauschwert ist immer ein Warenwechsel unterstellt.
Und was nun den anderen Wechsel der beiden Waren im Rahmen der Wertform betrifft, den der äquivalenten zur relativen Ware, so drücken sich über ihn die Gebrauchswert-Wechsel (körperlichen Wechsel) für den Ausdruck des Wertes aus. Die äquivalente Ware gilt generell als das Körperliche, und in der Wertform daher für die körperliche Seite des Wertes. Ihre Wechsel sind räumliche Wechsel für den Wert, nicht substantielle.
Wir hatten eingangs darauf Wert gelegt zu sagen, dass bestimmte Elemente der Wertform-Analyse wegen der geschichtlichen Kritik, die an ihr begonnen hat, einer besseren Betonung bedürfen, insbesondere sind das Elemente, in denen das private Moment der Wertform, die Zuordnung der Wertform zum spezifischen Privateigentum der Warenproduktion, stärker herausgearbeitet wird. Dass der Wert der Ware tatsächlich erscheint, ist das wichtigste Element, worin die Wertform ihre Erklärung findet oder von dieser als Wertform gesprochen werden kann. Ohne diese Form kann sie nicht mehr das sein, wovon sie ausgegangen, was sie der Theorie (und Praxis) nach sein soll:
Sofern auf Arbeit hingeführt, drückt die Wertform das relative Verhältnis des Doppelcharakters der Arbeit aus, worin die abstrakte Seite der Arbeit für den Wert/Menge oder die Dauer der Arbeit (in Zeitmengen) steht und die konkrete Seite der Arbeit für den Gebrauchswert/die erzeugte Masse oder körperliche Fülle der Arbeit für den Ausdruck des Wertes steht. Sie drückt dieses innere Verhältnis nur einer Arbeit aber in zwei Waren, über zwei Arbeiten aus. Für die Wertseite steht die eine Arbeit (deren doppelter Charakter nicht aufgehoben ist), für die Wertausdrucksseite die andere Arbeit (deren doppelter Charakter ebenfalls nicht aufgehoben ist). Aber in der ersten Ware tritt deren abstrakter Charakter hervor, in der zweiten deren konkreter Charakter, so dass es den Anschein hat, beide Seiten der Arbeit erleben in der Wertform eine Einheit, ein einheitliches Auftreten (ergänzen einander in ihrem Sein), sind selbst wie ein Doppelcharakter der Arbeit im Großen, in einer Gesamtarbeit zu verstehen. Die Gesamtheit der Waren steht für die Gesamtheit der Wertseite der Arbeit, und die Gesamtheit des Geldes steht für die Gesamtheit der Gebrauchswert(körperlichen)-Seite der Arbeit. D.h. die Waren führen eine Wertbewegung aus, und das Geld eine Körperbewegung. Wobei die Menge des Geldes für das gleiche Wertvolumen steht wie an Wertvolumen in der Menge der Waren enthalten ist. Es ist immer verlangt, dass ein gleichzeitig erscheinendes Wertvolumen in Waren in ein ebenso gleichzeitig erscheinendes Wertvolumen in Geld transformiert werden kann.
Die beiden Waren der Wertform sind von derselben Bewegung wie die beiden Seiten im Doppelcharakter der Arbeit, die relative Ware bewegt wie deren abstrakte Seite, die äquivalente Ware wie deren konkrete Seite. Die beiden jeweiligen Bewegungen werden im gegenseitigen Verhältnis zueinander ausgedrückt, die Bewegung der relativen Ware wird im Verhältnis zur äquivalenten Ware, und die Bewegung der äquivalenten Ware im Verhältnis zur relativen Ware ausgedrückt. Das macht die Einheit der beiden Waren in der Wertform aus. Wie der Doppelcharakter der Arbeit selbst, bewegen bei Veränderung der Produktivkraft der Arbeit die beiden Waren in ihrem Verhältnis zueinander. Bei steigender Produktivkraft sinkt der Arbeitsaufwand/Wert in seinem Verhältnis zur Masse der erzeugten Produkte resp. steigt die Masse der Gebrauchswerte in ihrem Verhältnis zur Menge des Wertes/Arbeitsaufwandes. Die Arbeit ist hier jeweils aus dem Blickwinkel ihrer beiden Seiten, einerseits der abstrakten, andererseits der konkreten betrachtet. In der Wertform nun ist das, was Bewegung in der Arbeit ist, Bewegung im Verhältnis der beiden Waren. Die Verhältnisse der Wertform sind vollkommene Widerspiegelung der Verhältnisse der Arbeit; sie sind auf gegenständliche Weise das, was in der Arbeit auf lebendige Weise vor sich geht.
Sind alle Waren Versinnbildlichungen des Doppelcharakters der Arbeit, so fällt der Ware in der relativen Stellung innerhalb der Wertform die Aufgabe zu, die Wertwechsel der Arbeit zur Erscheinung zu bringen und fällt der Ware in der äquivalenten Stellung in der Wertform die Aufgabe zu, die Gebrauchswertwechsel der Arbeit zum Ausdruck zu bringen. Die Wertwechsel werden (bei steigender Produktivität) dadurch zum Ausdruck gebracht, dass eine größere Masse an Waren in einer gleichen Masse an Geld untergebracht werden muss, was nur unter der Bedingung der Reduktion der Preise der einzelnen Ware möglich ist, und die räumlichen Wechsel werden dadurch zum Ausdruck gebracht, dass (bei steigender Produktivkraft) in eine größere Menge des Geldes eine gleiche Menge an Waren aufgenommen werden muss, was nur unter der Bedingung des steigenden Preises des einzelnen Ware möglich ist. Mal muss Wachstum sich verkleinern, um eine Zirkulation ermöglichen zu können, mal Nichtwachstum sich vergrößern, um einen Zirkulationsraum ausfüllen zu können. Substantielle Verkleinerung (Ducken, Zusammenrücken) und räumliche Vergrößerung (Aufblasen) sind die beiden Formen der Zirkulation, wenn die Produkte Waren sind bzw. die Zirkulation unter der Bedingung beiderseitigen Wachstums erfolgt.
Man muss den Doppelcharakter der Arbeit in zwei Waren zum Ausdruck bringen, da in einer selben Ware weder der Wert der Arbeit in seiner Bewegung, getrennt von der Bewegung des Gebrauchswertes, noch der Gebrauchswert der Arbeit in seiner Bewegung, getrennt von der Bewegung des Wertes, zum Ausdruck gebracht werden kann.[19] Das Verhältnis von Wert und Menge kann, soll es zur Erscheinung gebracht werden, nur in zwei Waren zum Ausdruck gebracht werden, deren eine Ware für die Wertwechsel und deren andere Ware für die Gebrauchswertwechsel der Arbeit steht. Die beiden Waren der Wertform stehen sich wie der Wert der Ware und wie der Gebrauchswert der Ware gegenüber. Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit der Ware bedienen die Wertwechsel, Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit/Menge des Geldes bedienen die Gebrauchswertwechsel bzw. Körperwechsel, also Wertausdruckswechsel.
Man darf sich das Wechseln der Preise, ihr Steigen oder Fallen, in der Wertform nicht immer nur als eine Bewegung der Werte der Waren vorstellen, d.h. so vorstellen, dass nur die für die Ware zuständige Arbeit ihre Produktivkraft verändert. Dass die Wertveränderungen der Ware optisch die Szenerie der Wertform beherrschen, ist nur der Fall, wenn der Wert des Geldes unverändert bleibt, d.h. die Produktivkraft jener Arbeit, die für die Produktion des Geldes verantwortlich ist, stagniert; d.h. es treten dann keine Mengenveränderungen des Geldes auf. Dann sind in der Tat alle Preisveränderungen Erscheinungen von sich verändernden Warenwerten, alle Veränderungen der Preise sind dann substantieller Natur. Die Wertform ist dann sehr leicht zu verstehen.
Anders aber, wenn die Produktivkraft jener Arbeit verändert, auf die sich das Geld, die äquivalente Ware bezieht. Dann sind alle Preisveränderungen der Waren räumlicher (nomineller) Natur.
Das Wechseln in der Körperlichkeit (also der Warenmasse) der Ware des Wertausdrucks nennen wir - für den Wert - seine räumliche oder nominelle Veränderung sie kann eine inflationäre und eine deflationäre Richtung annehmen, eine räumlich expandierende und eine räumlich implodierende.[20] Man muß sich einfach vorstellen, was steigende Produktivkraft der Arbeit auf der Seite der Warenmenge beinhaltet: Bei steigender Produktivkraft höherer Warenausstoß, bei sinkender sinkender. Die selbe Zeit, der selbe Wert stellt sich körperlich gesehen in mehr oder in weniger Masse/Menge dar. Und das gilt nun, übertragen, für die Waren, die ihren Wert in solchen Mengenwechseln ausdrücken. Bei steigender Produktivkraft der Arbeit der äquivalenten Ware (des Geldes) in größerer Menge, bei sinkender in kleinerer.
Inflationär heißt, dass die Produktivkraft in der Arbeit der den Wert ausdrückenden Ware (Geldware) steigt, also mehr Warenmasse der Ware gegenübersteht, die ihren Wert in dieser Masse ausdrückt, so dass sich deren Wertausdruck dadurch aufbläht (die Preise steigen - nominell).[21] Die einzelne Einheit der äquivalenten Ware (Geldes) verkörpert geringeren Wert, und da sich der Wert der Waren in Einheiten des Geldes ausdrückt, muß er sich nunmehr in mehr Einheiten ausdrücken (unter der Bedingung, dass er selber konstant bleibt). Inflation, also Geldentwertung, ist allerdings ein sehr seltener Vorgang in der Geschichte der Warenproduktion - wenn auch in der Regel mit katastrophaler gesellschaftlicher Auswirkung. Geldbesitz entwertete sofort und absolut, Eigentum verarmte.
Deflationär dagegen heißt, dass die Produktivkraft dieser Arbeit sinkt, auf die einzelne Wareneinheit (des Geldes) entfällt mehr Wert, so dass nun der Wertausdruck der Waren sich in weniger Einheiten des Geldes ausdrücken muß, räumlich gesehen sinkt der Wertausdruck (die Preise sinken - auch nominell).[22]
Die Preise der Waren steigen oder sinken bei einer Inflation also nicht, weil ihr Warenwert steigt oder sinkt, sondern weil der Ausdruck ihres Wertes in Einheiten einer Ware erfolgt, deren Menge gestiegen oder gesunken ist (oder umgekehrt: deren Wert gesunken oder gestiegen ist). Dass die Preise steigen heißt in diesem räumlichen Fall, also Fall des Wertausdrucks, dass der Wert des Geldes sinkt - aber seine körperliche Kraft gestiegen ist; dass sie sinken heißt, dass der Wert des Geldes steigt - und seine körperliche Kraft gesunken. Alle Bewegungen im Verhältnis von Wert und Warenmenge in der äquivalenten Ware sind nomineller Natur, alle Bewegungen im selben Verhältnis in der Ware in der relativen Wertstellung sind substantieller Natur; beide Bewegungen laufen unabhängig voneinander ab, wobei die relativen der Ware ständig im Fluß sind, die äquivalenten selten, was heißt, dass mit einem beständigen Wertausdruck sehr lange gearbeitet werden kann, und die Veränderung eigentlich eine der relativen Seite der Arbeit ist - bis auf den Kapitalismus.
Der Übergang der einfachen Warenproduktion zur kapitalistischen Form der Warenproduktion erfolgte auf dem Boden eines anderen Übergangs, des Übergangs der metallischen Form oder Warenform des Geldes zu einer symbolischen Form der Warenform, einem Geld aus Papier.
Als sich die allgemeine Wertform geschichtlich einigermaßen befestigt und sich die Geldware durch gewohnten Gebrauch gesellschaftlich mit einer einzigen Ware verwoben hatte – andererseits aber das Material für die Geldware im Verhältnis zum Wachstum der gesellschaftlichen Wertvolumen knapp wurde -, wurde die Geldware durch Symbole dieser Ware ersetzt. An die Stelle von Metall (Gold- oder Silberwährung) trat Papier, an die Stelle von Ware mit Wert trat das Symbol ohne inneren Wert; Papiergeld repräsentiert nur noch die Geldware mit Wert. Diese Ersetzung der Ware durch ein Symbol der Ware oder symbolische Warenmenge ist keine Entwicklung der Wertform, sondern nur eine formelle Entwicklung der Ware der allgemeinen Wertform; die Ware wird ersetzt durch ein Zeichen ihrer selbst; Gold wird gedachtes Gold. (Das Spiel müssen nur alle annehmen, dann klappt das schon. Dieselbe Gläubigkeit, die bisher dem Gold galt, muss nun dem Papiergold gelten.)
Gold, die maßgebliche Geldware unserer Geschichte, wurde etwa zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aus dem aktiven Währungsumlauf verabschiedet und durch Symbole seiner selbst, also Papier-Geld (das Gold bedeutet), ersetzt.
Zunächst galt eine Konvertierungspflicht (Einlösungspflicht) des Papiergeldes in reales Gold; Papiergeld durfte nur in einem bestimmten Verhältnis zum Goldbestand der Notenbanken emittiert werden, um jederzeit (bei krisengetriebener Angst) "wertlos werdendes " Geld in wertvolles, Wert seiendes Geld (Gold) umtauschen zu können – was sich letztlich als ein frommer Wunsch erwies. Gerade dann, wenn sich eine Flucht von der Repräsentationsform des Geldes in das reale Goldgeld anbot – im Augenblick des Verfalls der Wirtschaft -, durfte Geld sich nicht aus dem gesellschaftlichen Kreislauf zurückziehen, sondern musste – über die Preisnominalität - das Verhältnis von Geldmenge und Warenmenge dem Verlust an Warenmenge angepasst werden und wurde folglich die Inflation zum neuen Markenzeichen der Krise. Die räumliche Steigerung der Preise wird hierbei nicht ausgelöst durch eine absolute Steigerung der Geldmenge über die Warenmenge, sondern durch den absoluten Rückgang der Warenmenge im Verhältnis zur Geldmenge. Es gibt also zwei Formen/zwei Gründe für den nominellen Preisanstieg, in diesem Falle ist es der des absoluten Rückgangs der Produktion in einer Depressionsphase der Produktion. Seitdem Geld Papiergeld, löst die nominelle Preissteigerung der Waren in der Krise den Rückzug des Geldes in die Schatzform ab. Jede Erhebung aus der Krise, d.h. jedes Wiederanspringen der Produktion nach der Flaute, ist seither mit einer Expansion der Geldmenge verbunden. „Nach der Krise“ ist wie Neugeboren.
Mit der Aufhebung der Konvertierung des US-Dollars in Gold (1971) als der letzten goldgedeckten Papierwährung endet die metallische Form oder Absicherung der Äquivalenz bzw. des Wertausdrucks. Es geht auch, wie man sieht. Die Menge des Papiergeldes erfüllt jetzt die Funktion der Produktivkraft der Arbeit, deren konkrete Seite, also Seite der Warenmasse. Eine bestimmte Menge des Papiergeldes gilt hierbei als Äquivalenz einer bestimmten Menge an Wert der Waren. Sich vom Wertvolumen der Waren lösendes Übermaß an Geldmenge führt zum Anstieg der nominellen Ausdrücke der Werte - es muß wieder die Identität von Summe der Preise und Summe des Geldes auch für den einzelnen Fall des Austausches hergestellt werden: der neu geschöpfte Raum wird umverteilt (gleichmäßig verteilt). Die Preise steigen - nominell, wir haben Inflation (allgemeines Steigen der Preise, aber der nominellen Art). Untermaß im Verhältnis zum Wertvolumen der Waren wiederum würde zum Sinken des nominellen Wertausdrucks führen, wir hätten Deflation (nominelles Sinken der Preise), vorausgesetzt, die Preise nähmen das deflationäre Sinken der Preise an - was aber zu bezweifeln ist.[23]
Die Realität der Papiergeld-Zirkulation zeigt, dass nur die Warenproduktion zyklisch bewegt, der kein Zyklus der Geldmenge entspricht (wobei Rückzug hier also Rückzug dort nach sich zöge; Rückzug in Waren = Rückzug in Geld). Die papierne Geldmenge verbleibt in der Zirkulation als die jeweils im Umlauf befindliche Menge, so dass es statt zu einer kongruenten zu einer inkongruenten Bewegung der Waren/Preissumme der Waren und der Geldmenge kommt: Wenn in der Depressionsphase die Warenmengen sinken, steigen die Preise, wenn in der Konjunkturphase die Produktion wieder anspringt, steigt die Geldmenge. D.h. die bisherige Reaktion (die bei metallischer Zirkulation möglich wäre), Abzug überschüssiger Geldmenge im Augenblick der Depression und relative Rückkehr des Geldes in die Zirkulation bei wieder anspringender Konjunktur, ist dadurch, dass das Geld in der Zirkulation verbleibt, in eine gegenläufige Bewegung umgeschlagen. Dem sinkenden Warenvolumen in der Krise, gleichbedeutend mit sinkendem gesellschaftlichen Wertvolumen, steht gleich bleibendes Geldvolumen gegenüber, das aus der Sicht der gesunkenen Warenproduktion wie steigende Geldproduktion, d.h. wie steigende Produktivkraft auf Seiten des Geldes wirkt. Entsprechend haben wir entwertetes Geld, was durch nominellen Anstieg der Preise der Waren (deren Volumen absolut sinkt) zum Ausdruck kommt.
In der Krise steigen die Preise! Jede ökonomische Krise im modernen Kapitalismus führt zu einem Hinüberspringen aus einem niedrigeren in ein höheres Nominalniveau der Preise, die Krisen unterscheiden sich durch solche rein räumlichen Preisniveaus; die ökonomischen Zyklen sind Zyklen räumlicher Art, aber auf stets höherem Niveau.
Bevor wir nach der inneren Natur des Verhältnisses von Warenniveau und Geldniveau fragen, ob es ein Phänomen rein der Papiergeldform des Geldes ist, zunächst die Frage: Was haben wir bisher erkannt?
Die bisherigen Kapitel haben uns gezeigt: Als die Substanz des Wertes ist die abstrakte Arbeit qualitativ auf sich bezogen, und quantitativ auf sich als deren Dauer. Wert und Wertgröße sind eine Einheit. Die eine, die abstrakte Arbeit, zeichnet dafür verantwortlich, dass wir es bei der Ware mit einer qualitativen Eigenschaft[24] zu tun haben (oder die Ware eine solche hat) - wir nennen sie den Wert der Ware, Wert bedeutet die Reduktion der Ware auf die abstrakte Seite der Arbeit[25] - die nun quantitativ gemessen werden muß; was damit geschieht, dass für die beiden Warenformen Warenmengen bestimmt werden, worin sie Wert von gleicher Wertgröße/Wertmenge sind, also des Gehalts an abstrakter Arbeit sind. Das geschieht dadurch, dass wir die Mengen, die aus einer gleichen Arbeitszeit an abstrakt gedachter Arbeit, sagen wir eine Stunde, entsprungen sind, "gleichsetzen". Sie sind als Warenmengen nur gleichgesetzt, weil als Mengen Arbeitszeit gleichgesetzt, was zu beachten ist (in der gegenständlichen Arbeit wird nur dargestellt, was in der lebendigen Arbeit geschehen!) Sie sind als eine Stunde gleich, d.h. quantitativ gleich; die quantitative Gleichheit ist eine Entsprechung der qualitativen Gleichheit. D.h. weil von gleichförmiger Arbeit ausgegangen ist, kann deren Unterschied nur ein quantitativer sein, also = mehr oder weniger von der Gleichförmigkeit sein. Das ist aber rein eine Frage der Dauer. Gleichförmige Arbeit kann sich also nur zeitlich unterscheiden, bzw. geht es um deren Gleichheit, um gleiche Zeitdauer.
Qualitativ dagegen sind sie gleich - um das noch einmal zu betonen - als Arbeit von "nämlicher Form", als bloßer Gebrauch der Arbeitskraft im nichtkonkreten Sinne; in beiden Fällen (beiden Waren resp. der Arbeiten, durch die sie produziert wurden) wurden Muskeln bewegt, Gehirn angestrengt, Nerven verschlissen, also Arbeitskraft vom Menschen in einem allgemeinen, daher abstrakten Sinne - entgegen dem konkreten Einsatz - angewendet. Nicht, weil der Mensch diese leiblichen Fähigkeiten im konkreten Sinne, als Weber und Schneider anwendet, sondern weil er sie überhaupt hat, kann er auch arbeiten und arbeitet er.
Die qualitative Gleichheit ist also nicht mit der quantitativen Gleichheit identisch. Worin Arbeit und Mengen der Arbeit gleichgesetzt erscheinen, nennen wir den Austausch in der Warenproduktion. Die eine Form der Gleichsetzung - oder der Erscheinung der Gleichgesetztheit der Arbeit - ist einfach zu bewerkstelligen ("qualitativ gesehen ist die Wertform inhaltsleer", Marx, d.h. sie ist von einfachem (nicht schwer zu begreifendem) Charakter), es muß der Austausch zweier Waren bloß stattfinden, um dieser Charakter - gleichgesetzter Arbeit - zu sein bzw. der Wertform diesen Inhalt, Arbeit gleichzusetzen, zu geben. Die quantitative Gleichheit dagegen ist schwer umkämpft. Denn vom quantitativen Ausdruck hängt ja die Größe realisierten privaten Eigentums in einer Warenproduktion ab. Warenproduktion heißt, Arbeitsmengen bestimmten Personen zuzuordnen; ursprünglich waren diese Personen Arbeitende. Sie müssen das heute nicht mehr sein, um dennoch das Recht, von dem einst ausgegangen, fortzusetzen.
Dass in der Wertform vom Wert abgewichen werden, d.h. im realisierten Wert vom geleisteten Wert abgewichen werden kann (im Austausch von der Arbeit - quantitativ gesehen), ist aber nicht das eigentliche Problem von quantitativer Inkongruenz. Umgekehrt: Dass der mit der Arbeit kongruente Wert selbst nur eine "Abweichung" ist, gehört zum Grundverständnis der Warenproduktion resp. Wertform. Die Warenproduzenten, die über ihre Ware ein Eigentum an Wert/Arbeit ausdrücken wollen, können nicht ihren individuellen Aufwand ausdrücken - das ergäbe nur viele Werte für gleiche Waren, sondern müssen sich auf eine gesellschaftliche Größe einigen, die für alle Produzenten verbindlich ist - dies der gesellschaftlich notwendige Wert oder Wert im Eigentlichen, oder die Größe an Wert, in der alle individuellen Unterschiede, die ihren Besonderheiten in der Arbeit entsprungen, zu einer einzigen Größe aufgehoben sind und die nun auf die individuelle Arbeit angewendet wird.
Der Wert ist in der Regel eine Durchschnittsgröße - von der im einzelnen Fall nun wieder abgewichen werden kann; es ist aber ein Unterschied ob von einem individuellen Wert abgewichen werden kann - oder ja muss -, oder ob von dem sich durchschnittlich bestimmenden Wert abgewichen wird (ob von einer individuellen Größe oder ob von einer gesellschaftlichen, allgemein verbindlichen Größe). In der einen Abweichung ist die Warenproduktion überhaupt erst gesetzt, in der anderen Abweichung wird in ihr ... betrogen (dass die Schwarte kracht.)
Für die historische Entwicklung der Warenproduktion ist es von Wichtigkeit, welche Faktoren der Arbeit zunächst bei der Bestimmung einer gesellschaftlichen Wertgröße abweichend von den individuellen Größen in Frage kommen; das sind nacheinander: die Intensität der Arbeit, die Produktivität der Arbeit, die Komplizierung der Arbeit, die organische Zusammensetzung der Arbeit; sie alle bedeuten Anforderung an die gesellschaftliche Bestimmung des Wertes - nicht qualitativ, aber quantitativ.
Wichtig ist aber der Umstand, dass die Summe des sich gesellschaftlich bestimmenden Wertes/Mehrwertes immer mit der Summe des individuell geleisteten Wertes/Mehrwertes identisch ist[26]; d.h. es kann im Rahmen des Volumens im Einzelnen umverteilt werden - und die Umverteilung ist an sich eine Bestimmung des gesellschaftlich durchschnittlich notwendigen Wertes, aber es kann die Summe, das Volumen selbst nicht überschritten noch unterschritten werden![27] Der Wert ist ein a priori umverteilender Wert, aber er ist der an sich gesellschaftliche Wert der Warenproduktion, weil den individuellen Werten nicht - wegen des privaten Charakters der Arbeit - der Titel Wert (oder der Titel gesellschaftlich) unmittelbarverliehen werden kann. Wert ist eine Kategorie der Gesamtarbeit, die ihre individuellen Unterschiede zugunsten ihrer gesellschaftlichen Gleichsetzung aufgehoben hat. Insofern haftete dem Wert immer das Verhältnis einer bestimmten Produktionsweise an, er ist nur Kategorie einer Ökonomie von Privatiers der Arbeit mit gesellschaftlichem, nach außen (in die Gesellschaft) strebendem Charakter. In der Tat nimmt die gesellschaftliche Wertbestimmung vorweg, was die Warenproduktion nicht unmittelbar ist: Gesellschaft. Indem sich der gesellschaftliche Wert über den individuellen Wert stellt, deutet er zumindest an, dass es etwas Höheres als die Privatheit gibt: Die Gesellschaft. (Wie diese wieder zum Wert steht, ist eine andere Frage; sie muß ja nun nicht das Nonplusultra der Warenökonomie sein.)
Schließen wir diesen Abschnitt mit einem letzten Satz: Dem sichtbaren, gesellschaftlich durchschnittlich notwendigen Wert, also dem WERT, sind die individuell direkt notwendigen Werte vorgesetzt; individuelle Werte bilden die Grundlage des gesellschaftlichen Wertes. Das Gesellschaftliche ist überhaupt nur eine besondere Bestimmung des Individuellen. Dass man von den individuellen Größen auf die gesellschaftliche Größe schließen kann, schließt dann aber auch die Rückkoppelung ein: dass vom gesellschaftlichen Wert auf die individuellen Werte geschlossen werden kann. Ordnen wir beide Werte je einer Gesellschaft zu – die gesellschaftliche Ordnung dem individuellen Eigentum und die individuellen Ordnungen dem Gemeinschaftseigentum -, dann kann die vermittelte gesellschaftliche Ordnung die unmittelbar gesellschaftliche Ordnung nur verformen, aber nicht aufheben, diese aber auf jene verzichten.
Geschichtlich betrachtet entwickelt in der Wertform nur die Ware der Äquivalenz. Nur sie nimmt immer allgemeinere Formen an, während die Ware in der relativen Wertstellung ihrer Allgemeinheit entspricht, sie drückt nur das Allgemeine aus. Nur das, allgemein zu sein, drückt sie aus, sie ist diese Allgemeinheit (an Arbeit) daher. Durch Dimensionieren wird ihr von ihrer Allgemeinheit nichts genommen. Die Arbeit von 100 Menschen kann – als allgemeine, abstrakte (gegen das Konkrete abstrakte) – nicht allgemeiner sein als die Arbeit von 10 oder einem Menschen. Die äquivalente Ware kann diesem Sein der Ware nur durch Entwicklung entsprechen; sie muss nunmehr nur als konkrete allgemein werden. Sie entspricht der Ware durch die Allgemeinheit ihrer die Waren anziehenden Kraft. Das Konkrete gilt in der äquivalenten Arbeit als die Verwirklichungsform des Allgemeinen und hat ihm nun durch Allgemeinheit in der Form immer mehr zu entsprechen. Das Konkrete entspricht dem Abstrakten, die Geldform des Konkreten endlich der Ware.
Hier zeigt sich die Dialektik einer Geschichte, die als besondere beginnt, und als allgemeine endet; sie entspricht in ihrer letzten Form ihrem Wesen besser als in ihrer ersten. Die Warenproduktion bringt sich mehr auf ihren Punkt, als sie schon mit diesem beginnen kann.
Die einfache Wertform (der einen Ware A gegen die eine Ware B) ist zugleich einzige/besondere Form für die Wertform, sie drückt noch aus, dass die Wertform zwar gegeben, aber auf die unvollkommenste Weise der Form nach: in einer einzigen Ware. Wir haben historisch gesehen ganz primitive Art der Warenproduktion, noch völlig isoliert vorgehende neue Gesellschaftlichkeit. Obwohl ihrem Inhalt schon entsprochen ist (der Wert wird ausgedrückt, und im Gebrauchswert einer anderen Ware), drückt sie das Allgemeine ihres Inhalts, das Gleiche in Waren zu sein, isoliert, einsam (lokal) aus, d.h. nicht ebenso allgemein aus wie ihr Gehalt ist. Weil in einer einzigen Ware ausgedrückt, ist ihr Ausdruck zugleich die unfreieste Wertform der Form nach, sieht man ihr ihren allgemeinen Inhalt, als Gleiches zugleich das Gesamte zu sein, nicht an, sie scheint noch das Gegenteil des Wertausdrucks und der Austausch tatsächlich Wechsel der Waren als Gebrauchswerte zu sein; Warenaustausch als zweiförmiger Austausch scheint Produktenaustausch zu sein, und wird auch so genannt. D.h. in ihrem Austausch wird es zum Schein, dass auf der anderen Seite ein Gebrauchswert erworben wird, nicht aber durch diesen Gebrauchswert der Wert, also das Allgemeine an den Waren ausgedrückt und erworben wird. Man sieht der einzelnen/einfachen Wertform noch nicht die Schwerarbeit an, die sie leistet: allgemeiner Arbeit in ihrer einfachsten Weise, als nur ein Gebrauchswert erst, eine Form zu sein. D.h. der Ursprungsform des Austausches geht noch das Verständnis der Geldform ab. Nur die vollendete Theorie[28] aber kann erkennen, dass auch in dieser einfachsten Struktur der Wertform a) nichts als der Wert der Ware ausgedrückt wird (denn die erste Warenform ist eine Gleichheitsform), und b) ein Gebrauchswert seine Erscheinung wird. Dass erst eine Entwicklung dieser Gebrauchswertform für den Wertausdruck, ihre Entwicklung zum Nichtgebrauchswert - außer dem einen, Gebrauchswert für den Wert zu sein - dem Sinn der Wertform gerecht wird, hebt nicht auf, dass die einfachste Wertform diesen Sinn schon hat, nur eben noch nicht an der an sich festhaltenden Form des Geldes angelangt ist. Das Geld kann nicht erscheinen, wird es wie ein wirklicher Gebrauchswert sofort verspeist.
Es wird zum Schein, dass mit dem Geld erst der Sinn der Ware kommt. Denn der Wille zum Wert scheint erst mit der Möglichkeit zu kommen, am Wert auch festhalten zu können, mit der unmittelbaren Wertform den nur vermittelten Wertformen gegenüberzutreten. Also (könnte man meinen, ginge man die Wertformen vom Geld her an): Das Geld macht die Ware, nicht die Ware das Geld.[29] Der historische Lauf der Wertformen scheint uns in eine Polarität der letzten gegen die erste Form zu führen; die erste, einfache Wertform ist eine eng an den Tausch der Waren als Gebrauchswerte gebundene Form, sie stünde - so könnte man auf einen ersten Blick auch meinen - der Geldform auch entgegen, und umgekehrt die allgemeine Wertform erst sei eine dem Gebrauchswert entgegensetzte, dem Wert völlig untertane Wertform, sie erhebe sich auch über die Warenproduktion, wie sie bisher verstanden und sei eine besondere Form der Warenproduktion in der Geschichte (z.B. kapitalistische). D.h. aus einer Entwicklung der Wertformen wird ein Gegensatz der Wertformen abgeleitet. Das ist aber nicht der Fall. Das lenkt vom eigentlichen Gegensatz, der ein äußerer zu jeder Wertform ist, ab.
Kritiker der Warenproduktion, die insbesondere Kritiker des Geldes sind (ihrer höchsten Form), meinen, der Produktenaustausch (die einfache Wertform) sei - gemessen an der Geldform - fortschrittlicher, entspräche mehr der Negation der Ware, auch einer anderen Produktionsweise als der Warenproduktion; in ihm ginge es auch um den Gebrauchswert als solchen. Man könnte sagen, der Austauschbegriff selber erführe auf der Basis der einfachsten Wertform eine Umwertung auf reinen Gebrauchsgüterwechsel, und der Austausch der beiden Wertformen laufe diesem nur nebenher. Auf diesen Schein darf aber nicht hereingefallen werden, die Ware negieren heißt, auch über den Produktenaustausch hinauszugehen. Erst das letzte Glied in einer Kette von Wertformen, die aller Waren in einer, macht das Eigentliche, um das es in einer Warenproduktion oder Wertform geht, sichtbar (sie macht auch die Negation der Ware/Wertform sichtbarer)[30]: Nicht, wenn Einer sich in Einem verwirklicht, sondern Alle in Einem, sind Wesen und Erscheinung historisch eine Einheit. Die Warenproduktion beginnt nicht auch falsch, als ihr Gegensatz, sondern richtig, d.h. als Warenproduktion. In diesem Sinne ist die höchste und letzte Entwicklung der Warenproduktion zugleich die "eigentliche", auch eigentlich negierende. Letztlich ist das Geld nichts als der an sich als Ware festhaltende Wert. Er wechselt (flüchtet) von der Ware, die nicht an sich festhält (also nicht Eigentum - an Wert - sein kann), zu der Ware, die an sich festhält, die Ware des Eigentums sein kann. Das ist alles über die Historie der Wertform.
In einer wirklichen Negation der Wertform nämlich drückt der Gebrauchswert keinen ihm fremden Inhalt aus, sondern nur seinen eigenen - den des Gebrauchswertes.
Der allgemeine Inhalt der Wertform (die Arbeit als gleiche und daher vergleichbare) tritt erst schlagend hervor, wenn er für alle Waren in einer einzigen Ware ausgedrückt ist: Erst wenn die Form allgemein - für alle Waren - , ist auch in der Form des Ausdrucks der allgemeine Inhalt des Auszudrückenden getroffen, d.h. dann erst ist die Wertform in Inhalt und Form eine Einheit, dann entspricht sie in ihrer Erscheinung, dem Gebrauchswert als Materiatur des Wertes, dem Wert als Inhalt. Allgemeiner Inhalt hat zu allgemeiner Form gefunden. Was an sich historische Form, hat sich historisch vollendet. Man könnte also meinen, aus der Zuspitzung der Warenproduktion auf ihren Inhalt wäre auch abzuleiten, dass die Geschichte selbst auf Warenproduktion zulaufe. Weil diese inhaltlich in einer letzten Form ihr Ende gefunden, habe eine Geschichte ihr Ende gefunden. Was Geschichte der Warenproduktion, ist aber spezifische Geschichte in einer Geschichte im Gesamten. In den heiligen Hallen dämmert schon längst das Morgenlicht.
Jedenfalls: So geht die Geschichte der Wertform. Der Wert ist immer substantiell, da auf Arbeit, auf abstrakte Arbeit zurückführbar - und deren Menge. Der Ausdruck des Wertes ist immer nominell, da auf einen Gegenstand zurückführbar, der durch konkrete Arbeit geschaffen worden und der durch die Produktivkraft dieser bestimmten auserkorenen Arbeit wächst oder schrumpft.
Wir verlassen das bisherige Gefüge einer Warenökonomie und gehen auf die kapitalistische Entwicklung ihrer Formen über. Sie ist auf der einen Seite mit einer gesellschaftlichen Verallgemeinerung der Wertform verbunden, auf der anderen Seite eben durch die Verallgemeinerung mit einer ersten Form ihrer Negation. Der Ein- bzw. Durchbruch durch die Warenökonomie erfolgt nicht durch einen einfachen Übergang bloß/nur auf den Gebrauchswert – die andere ökonomische Kategorie, sondern durch ein Maßloswerden des Geldes. Als könnte die Ware dem Geld überflüssig werden, oder alles, was Ware ist, Geld werden – dies die erste, kapitalistische, somit noch in den Kapitalismus fallende Negation der Wertform.
Wir müssen zu Mengenbestimmungen des Geldes überleiten.
Wir hatten schon das Permanentwerden der Inflation angedeutet. Sie ist mit einer Entwertung der bisherigen metallischen Geldwaren in deren Produktionsstätten nicht mehr zu erklären, schon wegen der Demonetisierung des Goldes als Geld nicht mehr, aber auch nicht aufgrund des Übergangs zur Papiergeldform zu erklären - wie dann aber? Uns interessiert zunächst das Verhältnis von Produktionsmenge und Geldmenge und nach den zyklischen Bewegungen der Produktionsmenge auch die gleichgewichtige Menge von Ware und Geld bzw. deren Verhältnis in der Bewegung der Mengen.